Chancen

Fresenius Medical Care kann als vertikal integriertes Dialyseunternehmen fast alle Produkte und Dienstleistungen anbieten, die ein Patient mit chronischem Nierenversagen für seine Versorgung benötigt. Unser internationales Netz von inzwischen mehr als 2.700 Dialysekliniken in über 35 Ländern ist das größte und internationalste weltweit – und steht damit für einen Erfahrungsschatz in der Dialyse, der in der Branche einzigartig ist. Dank dieser Erfahrung wissen wir: Hohe Qualität ist zum einen der Schlüssel zu mehr Lebensqualität für den Patienten; zum anderen kann sie aber auch wesentlich dazu beitragen, Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Aus diesem Verständnis und aus unserem Geschäftsmodell ergeben sich einige Chancen für unser weiteres Wachstum, die wir im Folgenden näher beschreiben.

Branchenspezifische Chancen

Patientenwachstum und demografische Entwicklung

Die Zahl der Menschen, die an chronischem Nierenversagen leiden und eine Dialysebehandlung benötigen, nimmt Schätzungen zufolge weltweit jährlich um etwa 6% zu. Im Jahr 2011 wird sie voraussichtlich bei rund 2,15 MIO liegen; bis 2020 bei fast 4 MIO. Einige gesellschaftliche Trends tragen zu diesem Patientenwachstum bei. Dazu zählen, etwa in Europa oder den USA, die älter werdende Bevölkerung sowie die steigende Zahl der Menschen, die an Diabetes und Bluthochdruck leiden. Beide Erkrankungen gehen dem terminalen Nierenversagen häufig voraus. In den Entwicklungs- und Schwellenländern wiederum sind die wachsende Bevölkerung und ein zunehmender Wohlstand wichtige Faktoren, durch die der Bedarf an Dialyseprodukten und -dienstleistungen weiter ansteigt. Wir wollen zur Deckung dieser Nachfrage auch in Zukunft wesentlich beitragen.

Änderung rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen

Ob und in welcher Form privatwirtschaftliche Unternehmen Dialysebehandlungen anbieten können, hängt von dem jeweiligen Gesundheitssystem eines Landes und dessen rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Für Fresenius Medical Care bieten sich Chancen, neue Märkte zu erschließen oder Marktanteile auszubauen, wenn ein Land sich für private Dialyseanbieter öffnet oder die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Anbietern zulässt. Auf diese Entscheidungen haben zunehmend die folgenden Faktoren wesentlichen Einfluss:

  • In vielen Ländern werden die Mittel für die Finanzierung, das Management und die Bereitstellung von Gesundheitsleistungen immer knapper – eine Lage, die sich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise weiter verschärft hat.
  • Zugleich stehen Gesundheitssysteme vor der Herausforderung, ihre Bevölkerung immer umfassender medizinisch zu versorgen – aufgrund der längeren Lebenserwartung der Menschen und der damit verbundenen Zunahme von Begleiterkrankungen oder weil eine funktionsfähige Gesundheitsversorgung noch im Aufbau begriffen ist.
  • Die Dialyse ist ein aufwendiges lebenserhaltendes Verfahren, das in puncto Expertise und Effizienz hohe Anforderungen an ein Gesundheitssystem stellt.

Aus diesen Gründen suchen öffentliche Gesundheitsträger immer häufiger gemeinsam mit privaten Anbietern nach Lösungen für eine hochwertige zukunftsfähige Versorgung von Patienten mit chronischem Nierenversagen – eine enorme Chance für Fresenius Medical Care.

Ein Beispiel ist Deutschland, gemessen an der Zahl der Dialysepatienten der fünftgrößte Markt weltweit. Mit unseren Produkten sind wir hier führend. Dialysezentren werden zwar überwiegend von niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern oder gemeinnützigen Organisationen betrieben; seit einigen Jahren jedoch kann Fresenius Medical Care unter dem Dach von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Dialysedienstleistungen anbieten: Das sind ärztlich geleitete Einrichtungen zur ambulanten Krankenversorgung, die Fachärzte mit unterschiedlicher Spezialisierung als Angestellte beschäftigen. Ende 2010 waren wir an acht Versorgungszentren beteiligt (2009: vier). Als erfahrener Partner wollen wir unsere Kunden auch weiterhin beim Aufbau von neuen Versorgungsstrukturen im deutschen Gesundheitswesen unterstützen und so die Chance wahrnehmen, unser Geschäft langfristig zu stärken. Auch in Japan, wo Dialysezentren zum größten Teil in der Hand privater Nierenfachärzte sind, könnten sich auf lange Sicht neue Absatzchancen für privatwirtschaftlich tätige Unternehmen wie Fresenius Medical Care ergeben – sollten diese als Klinikbetreiber im größten Dialysemarkt Asiens zugelassen werden.

Public Private Partnerships

In einigen Ländern zeichnet sich die öffentlichprivate Partnerschaft (Public Private Partnership – PPP) als vielversprechendes Geschäftsmodell für Fresenius Medical Care ab. Es handelt sich dabei um vertraglich festgelegte Projektkooperationen zwischen öffentlicher Hand und privatwirtschaftlichen Unternehmen, bei denen sich beide Partner zu einem vereinbarten Verhältnis die Finanzierung, Aufgaben, Risiken und Chancen eines Projekts teilen. Unsere breite Kompetenz in der Dialyse ist auch hier ein Wettbewerbsvorteil, denn wir können flexibel für unterschiedliche Versorgungsstufen geeignete Angebote unterbreiten – ob für Krankenhäuser, Krankenkassen, Gemeinden oder Staaten. Je nach Vertrag errichten wir neue Dialysekliniken und statten diese aus, bilden medizinisches Personal in Fragen der Qualität, Hygiene und Ernährung aus oder führen die Kliniken zu vereinbarten Konditionen selbst. So bietet PPP eine Chance für beide Partner: Die öffentliche Hand profitiert von privatwirtschaftlichen Investitionen in eine Dialyseinfrastruktur nach hohen Behandlungsstandards, vom Wissenstransfer in Qualitäts-, Technologie- und Managementfragen sowie von der operativen Effizienz eines weltweit tätigen Dialyseunternehmens – und erhält so wesentliche Unterstützung, um mehr Patienten besser und zugleich kostengünstiger zu versorgen. Fresenius Medical Care wiederum kann durch das PPP-Modell neue Märkte erschließen, Marktanteile ausbauen und sein Angebot um weitere Versorgungsformen ergänzen. Partnerschaften dieser Art sind nicht zuletzt auch ein erster möglicher Schritt in die vollständige Privatisierung. An einer PPP-Initiative sind wir derzeit zum Beispiel in Italien beteiligt; weitere Projekte planen wir unter anderem in Indonesien, Abu Dhabi, Portugal, Brasilien und der Türkei. Die Verträge sind dabei an den jeweiligen Bedürfnissen der Partner und den lokalen rechtlichen Rahmenbedingungen ausgerichtet.

Wachsender Bedarf an integrierter Versorgung

Mit dem Kostendruck auf der einen und der Patienten entwicklung auf der anderen Seite wächst im Gesundheitswesen weltweit der Bedarf an einem ganzheitlichen – oder integrierten – Versorgungskonzept (Disease Management) für Patienten mit chronischem Nierenversagen. Dem liegt folgendes Prinzip zugrunde: Sämtliche Gesundheitsleistungen und Behandlungsschritte, die mit der Therapie eines Nierenpatienten verbunden sind – in einem weiteren möglichen Schritt auch die Behandlung seiner Begleiterkrankungen – werden als ganzheitliches Programm genau auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten und die Erfordernisse seines Krankenversicherers abgestimmt. Je nach Vertrag – und abhängig davon, welche Elemente ein Gesundheitssystem als Teil der Grundbehandlung vorschreibt – gehören dazu neben der eigentlichen Dialyse zum Beispiel ergänzende medizinische Tests, Medikamente für Nierenkranke, das Legen und die medizinische Versorgung des Gefäßzugangs, über den ein Patient mit dem Dialysegerät verbunden wird (Vascular Access Management – VAM) oder auch die Fahrt des Patienten zum Dialysezentrum. Mit dieser umfassenden Betreuung aus einer Hand sollen Behandlungsschritte besser koordiniert und kontrolliert, Komplikationen minimiert und dadurch zusätzliche Krankenhausaufenthalte – eine erhebliche Belastung für den Patienten – soweit möglich vermieden werden; die Behandlungs- und Lebensqualität des Patienten steigen, während die Gesamtkosten der Behandlung sinken.

Immer häufiger vergüten Kostenträger die Komponenten einer solchen Komplett-Therapie nicht mehr separat, sondern als „Leistungsbündel“ pauschal – geknüpft an vertraglich festgelegte messbare Behandlungsziele, über die der Dialyseanbieter regelmäßig Rechenschaft ablegen muss (pay for performance). Diese Qualitätsparameter orientieren sich in der Regel an den national und international etablierten Richtlinien für eine gute Behandlungspraxis bei Nierenpatienten und übertreffen diese auch zum Teil. Eine Nichterfüllung der Kriterien führt zur Kürzung der Vergütung bis hin zum Entzug der Lizenz.

Eine integrierte Versorgung gemäß des Pay-for-Performance-Modells bietet Chancen für alle Anspruchsgruppen: Die Lebensqualität der Dialysepatienten kann nachhaltig verbessert werden; die Bündelung der Versorgung bei einem Anbieter senkt durch den effizienteren Ressourceneinsatz die Gesamtkosten der Behandlung und macht diese Kosten für die öffentliche Hand und die Krankenversicherer zudem besser kontrollier- und kalkulierbar; Dialyseanbieter wiederum können ihr Leistungsspektrum erweitern, indem sie die vertraglich geforderten Zusatzleistungen erbringen.

Fresenius Medical Care ist aus mehreren Gründen in einer besonders guten Position, integrierte Behandlungsprogramme für chronisch nierenkranke Menschen auf einem hohen Qualitätsniveau anzubieten:

  • Als Hersteller marktführender Dialyseprodukte und Betreiber des größten internationalen Dialysekliniknetzes weltweit haben wir langjährige Erfahrung in der umfassenden Versorgung von Dialysepatienten.
  • Wir genießen dank der hohen Qualität und Sicherheit unserer Produkte und Dienstleistungen einen sehr guten Ruf in der Branche.
  • Wir nutzen ausgereifte interne Feedback-Instrumente, um den Behandlungserfolg unserer Kliniken zu messen, zu vergleichen und Verbesserungsmöglichkeiten schnell zu erkennen.

Erste positive Erfahrungen mit pauschal vergüteten qualitätsorientierten Versorgungsmodellen haben wir in Portugal gemacht, wo ein solches System im Jahr 2008 eingeführt wurde. Auch in Argentinien werden wir zum Teil nach dem Pay-for-Performance-Prinzip vergütet. Im Berichtsjahr haben wir zudem mit den Gesundheitsbehörden der spanischen Region Murcia eine Kooperationsvereinbarung über die Komplettversorgung von rund 200 Dialysepatienten abgeschlossen. Der erste Vertrag seiner Art in Spanien soll ab Mitte 2011 in Kraft treten; er gilt für zunächst sechs Jahre. Weitere Informationen zur integrierten Versorgung und Vergütung, unter anderem auch zum neuen „gebündelten“ Vergütungssystem in den USA, erhalten Sie im Abschnitt „Gesundheits und Vergütungssysteme“.

Chancen in Zusammenhang mit unserer Geschäftstätigkeit

Horizontale Erweiterung unseres Portfolios

Dialysemedikamente ergänzen unser Angebot von Dialysedienstleistungen und -produkten und tragen damit zur horizontalen Erweiterung unseres Portfolios bei. Sie bieten – passend zu unserer strategischen Ausrichtung ( siehe dazu hier) und zum allgemeinen Trend einer integrierten Versorgung (siehe oben) – weitere Wachstumschancen für uns. Bei der Behandlung von Dialysepatienten werden Medikamente üblicherweise zur Korrektur von Blutarmut (Anämie) und zur Regulierung des Mineralhaushalts benötigt – beides Folgen des chronischen Nierenversagens. Anämie wird bei Dialysepatienten in der Regel mit dem Hormonpräparat Erythropoietin (EPO) sowie mit intravenös zu verabreichenden Eisenpräparaten therapiert. Das Marktvolumen solcher intravenös verabreichten Eisenpräparate für Nierenpatienten betrug im Jahr 2010 rund 1,1 MRD US $. Phosphatbinder zur Regulierung des Knochenstoffwechsels werden von mehr als 80% aller Dialysepatienten benötigt; hier lag das Marktvolumen im Jahr 2010 bei rund 1,2 MRD US $.

In den vergangenen Geschäftsjahren waren Lizenzvereinbarungen über intravenös zu verabreichende Eisenpräparate sowie die Integration des Phosphatbinders PhosLo® in unser Produktportfolio wesentliche Schritte, um an diesem Markt teilzuhaben. Im Jahr 2010 hat Fresenius Medical Care seine bestehende Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen Galenica erweitert und Vifor Fresenius Medical Care Renal Pharma gegründet – ein Joint Venture, dessen Geschäft die Entwicklung und der weltweite Vertrieb von Medikamenten für Nierenkranke ist. Auf beiden Gebieten strebt das Gemeinschaftsunternehmen, an dem Fresenius Medical Care zu 45% beteiligt ist, eine führende Marktposition an.

Neue Produkte und Technologien

Wenn die Patientenzahlen so stark ansteigen wie angenommen, der Kostendruck zunimmt und die Kapazität der Kliniken möglicherweise nicht mehr ausreicht, um dort alle Patienten zu behandeln, werden Heimtherapien in der Dialyse weiter an Bedeutung gewinnen. Aus dieser Entwicklung ergeben sich Wachstumschancen für Fresenius Medical Care. Deshalb erweitern wir mit hochwertigen Produkten und Therapieprogrammen sowie Akquisitionen unsere Kompetenz in der Peritonealdialyse (PD); siehe dazu hier. Mit der Adsorber-Technologie verfügen wir bereits über ein Schlüsselverfahren für den Ausbau weiterer Formen der Heimtherapie: der Heim-Hämodialyse sowie der tragbaren künstlichen Niere, an deren Entwicklung wir langfristig in einem regionenübergreifenden Team arbeiten; siehe dazu hier. Adsorber setzen wir ein, um einfaches Leitungswasser für die Dialyse nutzbar zu machen und Dialyseflüssigkeit wiederaufzubereiten – wesentliche Voraussetzungen für die Dialyse außerhalb von medizinischen Versorgungseinrichtungen. Wir werden unser Angebot auch in Zukunft um innovative Produkte und Verfahren erweitern, um Wachstumschancen zu nutzen – zunehmend auch gezielt, um die Nachfrage nach einer integrierten Versorgung bestmöglich zu bedienen; siehe dazu hier.

Interne Organisation und Prozesse

Eine Reihe von Chancen, unser Unternehmen langfristig erfolgreicher zu machen, bieten sich Fresenius Medical Care durch die Organisation und Gestaltung seines operativen Geschäfts. Beispielsweise analysieren wir anhand der Management-Methoden „Lean“ und „Six Sigma“ weltweit unsere Produktionsabläufe, um sie bestmöglich aufeinander abzustimmen und dadurch sowohl unsere Fehlerquoten als auch die Produktionszyklen weiter zu verringern. Das Umweltmanagement in unseren Produktionsstätten und Kliniken bauen wir systematisch aus, um unsere Betriebseffizienz zu verbessern, etwa durch das Einsparen von Ressourcen; siehe hier.

Im Berichtsjahr haben wir unsere weltweite Produktion mit der Einheit „Global Manufacturing Operations“ (GMO) neu organisiert; hinzu kam auch eine entsprechende Position im Vorstand; näheres hier. Durch den Aufbau eines integrierten Produktionsnetzes und die Harmonisierung von Qualitätsmanagement und Supply Chain Management (Steuerung der Lieferkette) ergeben sich aus unserer Sicht unter anderem die folgenden Chancen:

  • weitere Steigerung der Effizienz unserer Abläufe
  • bessere Steuerung von Risiken- und damit Kosten,
  • Erhöhung der Rentabilität des Kapitals, das wir in der Fertigung einsetzen.

Akquisitionen

Mit dem Ausbau unseres weltweiten Kliniknetzes durch Akquisitionen investieren wir in unser künftiges Wachstum; das gilt auch für den Zukauf von Know-how und von interessanten Technologien auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung. Die enge Abstimmung unserer Strategie- und Planungsabteilungen mit den Managern, die unsere Akquisitionen verantworten, sorgt dafür, dass wir potenziell geeignete Zukäufe weltweit frühzeitig identifizieren. Zu unseren Akquisitionen im Berichtsjahr siehe hier und hier.

Geschäftsmodell von Fresenius Medical Care

Eine Chance für das künftige Wachstum unseres Unternehmens ergibt sich nicht zuletzt aus unserem Geschäftsmodell: Als vertikal integriertes Dialyseunternehmen bieten wir nicht nur fast alle Produkte für Patienten mit chronischem Nierenversagen an; wir setzen diese auch täglich in unseren eigenen Kliniken ein. So profitieren wir bei der Entwicklung und Herstellung neuer Produkte sowie bei der Ausrichtung unseres Klinikmanagements erheblich von den Rückmeldungen unserer Patienten, Ärzte und Dialysefachkräfte weltweit.

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