Verantwortung gegenüber unserer Anspruchsgruppen
Fresenius Medical Care trägt als Hersteller und Anbieter lebenserhaltender medizinischer Produkte und Dienstleistungen eine besondere Verantwortung für seine Anspruchsgruppen, allen voran Patienten und Geschäftspartner. Den Umgang mit ihnen und unsere Abläufe in der Forschung und Entwicklung richten wir nach unternehmenseigenen sowie branchenrelevanten Standards und Gesetzen aus. Darüber hinaus engagieren wir uns als Dienstleister in unseren Kliniken, als Partner in und gemeinsam mit Verbänden, als Nachbar in unserem Umfeld und als Unternehmen in der Gesellschaft für eine bessere Lebensqualität von Nierenpatienten. Dadurch wollen wir nicht nur unserer Verantwortung gerecht werden, sondern zugleich unseren guten Ruf im Dialysemarkt stärken.
Verhalten gegenüber Patienten und Geschäftspartnern
Für einen verantwortungsvollen, korrekten und gesetzeskonformen Umgang unserer Mitarbeiter mit Patienten und Geschäftspartnern gibt der Unternehmenskodex von Fresenius Medical Care den Rahmen vor; zum „Unternehmenskodex“ siehe hier. Er enthält unter anderem spezifische Verhaltensrichtlinien für Management und Mitarbeiter in den Kliniken sowie im Vertrieb und Marketing. Diese Richtlinien betreffen beispielsweise die korrekte Abrechnung von Produkten und Dienstleistungen, faires Verhalten im Wettbewerb und den respektvollen, integren Umgang mit den Patienten. Unsere Mitarbeiter in Marketing und Vertrieb erhalten ein spezifisches Compliance-Training, das speziell auf ihr Tätigkeitsfeld zugeschnitten ist. In den USA richten wir uns in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Gesundheitswesen zusätzlich an den Verhaltenskodizes der US-amerikanischen Branchenverbände PhRMA für Pharmazieunternehmen sowie AdvaMed für Medizintechnik-Hersteller aus.
Forschung und Entwicklung
Wenn Fresenius Medical Care neue medizinische Geräte oder pharmazeutische Produkte auf den Markt bringen will, sind wir gesetzlich verpflichtet, deren Wirksamkeit und Sicherheit anhand sogenannter klinischer Prüfungen zu belegen und umfassend zu dokumentieren. Dies bedeutet: Die Neuentwicklung muss über einen bestimmten Zeitraum im klinischen Umfeld bei einer Gruppe von Patienten angewendet werden. Zum Vergleich werden eine oder mehrere weitere Gruppen von Patienten mit bereits erhältlichen Produkten und Methoden behandelt, die dem aktuellen Stand der Forschung und Technik entsprechen.
Für unsere Branche gelten umfassende Richtlinien und Gesetze, die dafür sorgen sollen, dass im Rahmen einer solchen Prüfung keine ethischen Prinzipien verletzt, Ärzte und Einrichtungen, die die Prüfung im Auftrag der Unternehmen durchführen, sorgfältig nach ihrer Qualifikation ausgewählt und wissenschaftlich saubere Methoden angewendet werden. Nach diesen Regelwerken richtet auch Fresenius Medical Care seine klinische Forschung aus. Dazu gehört beispielsweise die Erklärung von Helsinki des Weltärztebundes, die grundlegende ethische Prinzipien der klinischen Forschung festschreibt, sowie internationale Richtlinien wie Good Clinical Practice (GCP – auf Deutsch etwa „gute klinische Praxis“), außerdem die EU-Richtlinien für Arzneimittel wie die Direktive 2001/20/EC, die EU-Medizinprodukte-Richtlinie Medical Device Directive (MDD) und die ISO-Norm 14155, die Kriterien festlegt, nach denen eine klinische Prüfung durchzuführen und ein Prüfbericht in der klinischen Forschung zu erstellen sind. Darüber hinaus richten wir uns nach nationalen Gesetzen und Richtlinien wie dem Arzneimittelgesetz (AMG) und dem Medizinproduktegesetz (MPG) in Deutschland oder den Richtlinien der US-amerikanischen Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA (Food and Drug Administration). Eigene Handlungsanweisungen von Fresenius Medical Care für die Mitarbeiter, sogenannte Standard Operating Procedures, führen diese Richtlinien mit internen Vorgaben zusammen, damit eine klinische Prüfung in unserem Auftrag ordnungsgemäß abläuft und dokumentiert wird. Bevor eine Prüfung überhaupt beginnen kann, müssen Ethikkommissionen in den jeweiligen Ländern unserem Antrag zustimmen. Dass sich Hersteller von medizintechnischen und pharmazeutischen Produkten an diese Vorgaben halten, ist nicht zuletzt eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie ihre Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Medien publizieren können.
Tierversuche nutzen wir zur Zulassung von neuen Produkten und Therapieformen, soweit diese vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind. Diese Untersuchungen werden ausschließlich von externen Forschungseinrichtungen in anerkannten Versuchslaboren durchgeführt und grundsätzlich durch eine Ethikkommission für Tierversuche gebilligt. Fresenius Medical Care führt keine eigenen Tierversuche durch. Grundsätzlich ist unsere Strategie, Tierversuche zu vermeiden und alternative Verfahren anzuwenden.
Soziales Engagement
Als Dialyseunternehmen ist es unser Ziel, die Lebensqualität von Nierenpatienten kontinuierlich zu verbessern. Dieses Ziel verfolgen wir auch über unser Kernangebot von Produkten und Dienstleistungen hinaus, indem wir uns auf vielfältige Art und Weise für ein lebenswertes Leben mit der Dialyse, den Zugang von Patienten zu einer hochwertigen Behandlung und für die gesundheitliche Aufklärung über das chronische Nierenversagen einsetzen.
Engagement für die Lebensqualität von Patienten
Fresenius Medical Care arbeitet weltweit mit regionalen und überregionalen Verbänden und Einrichtungen zusammen, die sich für die Interessen von Dialysepatienten einsetzen. Darüber hinaus entwickeln wir eigene Initiativen, um Patienten dabei zu unterstützen, ein gesünderes und aktiveres Leben zu führen. In den USA zum Beispiel fördern wir das Renal Support Network, einen gemeinnützigen Verband von und für Patienten mit chronischem Nierenversagen, dessen Ziel es ist, Patienten und ihre Familien gesundheitlich aufzuklären, ihnen mehr Zuversicht im Lebensalltag zu geben und ihre Eigeninitiative zu stärken. In Brasilien unterstützen wir sowohl finanziell als auch fachlich die Fundação do Rim, eine gemeinnützige Stiftung, die sich speziell für die Bedürfnisse junger Dialysepatienten zwischen 0 und 21 Jahren engagiert. Die Stiftung setzt sich gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit für eine angemessene Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Medikamenten ein sowie für deren Zugang zu einer Nierentransplantation oder die Einrichtung von mehr pädiatrischen Dialyseeinheiten in Krankenhäusern. Zugleich organisiert sie besondere Angebote für die jungen Patienten wie Bewegungs-, Kunst- und Musiktherapiekurse und schult Eltern im richtigen Umgang mit der Krankheit ihrer Kinder. In Australien organisieren wir jährlich gemeinsam mit einem Kinderkrankenhaus in Sydney das „Kidney Kids Camp“, ein Ausflugswochenende für junge Peritonealdialyse-Patienten, bei dem sowohl für Spiel und Spaß als auch für eine sichere Dialysebehandlung unter der Aufsicht professioneller Dialysefachkräfte gesorgt ist. Die Initiative soll den nierenkranken Kindern ein unbeschwertes Wochenende mit Gleichaltrigen ermöglichen und zugleich die Eltern entlasten, die normalerweise die Behandlung durchführen.
In Kolumbien haben wir eine eigene Stiftung gegründet, um die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Patienten auch über die eigentliche Dialysebehandlung hinaus zu fördern. Die Fundación Fresenius finanziert sich aus Spenden der Wirtschaft, unserer Mitarbeiter und von Privatpersonen; in regelmäßigen Berichten legen wir Rechenschaft über die Verwendung dieser Mittel ab. Im Berichtsjahr haben wir unsere Öffentlichkeitsarbeit für die Stiftung ausgeweitet, um noch mehr Spenden zu gewinnen und damit die Palette von Leistungen für die Patienten zu erweitern. Wir haben 2010 zum Beispiel über 6.300 Patienten regelmäßig eine gesunde warme Mahlzeit angeboten und monatlich mehr als 2.400 – und damit rund 40% – unserer Patienten kostenlose Fahrten zwischen ihrem Zuhause und dem Dialysezentrum ermöglicht. Außerdem fanden gemeinsame Unternehmungen wie Ausflugsfahrten, kulturelle Veranstaltungen, Bastelkurse oder eine Halloween-Feier für nierenkranke Kinder statt. Besonders bedürftige Patienten haben wir mit Lebensmitteln versorgt. Für mittellose Peritonealdialyse-Patienten, die zu Hause nicht über ausreichend Platz verfügen, um eine sichere Behandlung durchzuführen, errichteten wir spezielle Zelte und ließen die Patienten durch eine Dialysefachkraft in der sicheren Nutzung und ordnungsgemäßen Reinigung dieser Zelte schulen.
Rund 35% Prozent unserer Patienten in Argentinien – das geht aus ihren Anmeldedaten hervor – haben keinen Primärschulabschluss, den man in dem Land nach sieben Jahren erwirbt. Welche konkreten Schwierigkeiten sich daraus im Alltag ergeben, trat insbesondere in Kunsttherapie- und Erzählworkshops mit den Patienten zutage. Der niedrige Bildungsstand schränkt ihre Lebensqualität zusätzlich ein: Er erschwert ihnen, auf einem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden, und verstärkt typische Schwierigkeiten im Leben mit der Dialyse, allen voran das disziplinierte Einhalten des Behandlungsplans und die Einnahme von Medikamenten. Um diesen Patienten neue Chancen zu eröffnen und ihre Eigeninitiative zu stärken, haben wir ein gemeinsames Projekt mit dem Bildungsministerium der Provinz Buenos Aires gestartet: Das Ministerium entsendet Lehrer aus seinem Programm für die Erwachsenenbildung in vier unserer Dialysekliniken. Von diesen Lehrern wurden im Jahr 2010 rund 80 unserer Dialysepatienten mit der Aussicht unterrichtet, dass sie ihren Schulabschluss nachholen können. Ein Fokus liegt auf dem Lesen und Schreiben, das viele der teilnehmenden Patienten nicht sicher beherrschen. Im Berichtsjahr haben wir mit einer Feier den ersten erfolgreichen Primärschulabsolventen gratuliert; wir wollen das Projekt im laufenden Geschäftsjahr auf andere Kliniken ausweiten.
Spenden und Notfallhilfe
In Krisensituationen sowie für Einrichtungen, die rasch konkrete Hilfe benötigen, spenden wir Geld, Dialysegeräte und medizinisches Zubehör. Wie schon bei den schweren Erdbeben in Italien und China in den vergangenen Jahren, schickten wir Anfang des Jahres 2010 Hilfsmittel zur Versorgung von Dialysepatienten auch nach Haiti. Wir spendeten rund zwölf Tonnen Dialysegeräte und -zubehör, die wir per Schiff und mit einem gecharterten Frachtflugzeug transportierten. Außerdem übernahmen wir eine führende Rolle bei der Organisation der Hilfsleistungen des Nothilfe-Bündnisses der US-amerikanischen Dialysebranche, KCER siehe hier und Magazin. Mehrere Klinikschwestern und -pfleger von Fresenius Medical Care leisteten zudem als Ehrenamtliche auf eigene Initiative für verschiedene gemeinnützige Einrichtungen medizinische Nothilfe in Haiti. In Brasilien spendeten wir im Berichtsjahr Hämodialysegeräte an die neue Abteilung für pädiatrische Nephrologie eines Krankenhauses in Rio de Janeiro. Dank dieser Geräte können Kinder mit chronischem Nierenversagen, die aus anderen Gründen in dem Krankenhaus behandelt werden müssen, ihre Dialysetherapie fortsetzen.
Förderung von Wissen und Weiterbildung
Fresenius Medical Care organisiert und fördert weltweit wissenschaftliche Konferenzen und Fortbildungen mit internationalen Experten der Nierenheilkunde für Ärzte und Dialysefachkräfte und trägt so zur Qualität in der Dialyse bei. Dies gilt insbesondere für Regionen, in denen moderne gesundheitliche Versorgungsstandards derzeit noch entwickelt werden. Ein Beispiel für dieses Engagement finden Sie in unserem Magazin. Zudem beteiligen wir uns an Projekten, die junge Mediziner für die Nierenheilkunde begeistern und den Nachwuchs in diesem Bereich fördern sollen. In Brasilien zum Beispiel haben wir im Berichtsjahr eine Initiative der nationalen Gesellschaft für Nephrologie unterstützt: Medizinstudenten am Ende ihrer Ausbildung wurden für Forschungsprojekte ausgezeichnet, in denen sie Lösungen für eine bessere Prävention chronischer Nierenleiden in der Bevölkerung erarbeitet haben. Auch in Venezuela organisieren wir nephrologische Fachkonferenzen für Ärzte und Medizinstudenten. Im Rahmen einer Vereinbarung mit der Hochschule Universidad Central de Venezuela vergeben wir zudem klinische Praktika in der Dialyse an Studenten der Krankenpflege.
Projekte für eine bessere Patientenversorgung
Darüber hinaus beteiligen wir uns an lokalen Projekten für eine bessere Versorgung von Dialysepatienten. Von 2008 bis Ende 2010 haben wir beispielsweise in einem Public-Private-Partnership-Projekt siehe auch hier mit der indonesischen Gesellschaft für Nierenheilkunde, Pernefri, und einer Entwicklungsbank zusammengearbeitet. Ziel dieses Projekts war es, den Zugang zu Dialysebehandlungen sowie die Behandlungsqualität im ländlichen Indonesien zu verbessern. Im Rahmen der Partnerschaft erweiterten wir die Dialyseeinheiten von vier öffentlichen Krankenhäusern um insgesamt 40 Hämodialysegeräte und vier Wasseraufbereitungsanlagen. Auf diese Weise entstanden insgesamt Kapazitäten für rund 240 zusätzliche Patienten, die zuvor aufgrund der fehlenden Infrastruktur nicht hätten behandelt werden können. Zudem bildeten wir gemeinsam mit Pernefri 20 Internisten sowie 60 Krankenschwestern und -pfleger auf dem Gebiet der Dialyse aus. Dieses Engagement wollen wir künftig in ähnlichen Projekten fortsetzen.
Das Renal Research Institute, ein Joint Venture von Fresenius Medical Care Nordamerika mit einem Krankenhaus in New York, ist Partner der Sustainable Kidney Care Foundation. Diese Stiftung fördert Projekte in Tansania, Afrika, in denen Patienten mit akutem Nierenversagen in Regionen ohne eine bestehende Versorgungsstruktur Zugang zu einer Dialysebehandlung erhalten. Das akute Nierenversagen tritt dort häufig infolge anderer schwerer Erkrankungen wie HIV oder Tuberkulose auf.
Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit
Nicht zuletzt beteiligt sich Fresenius Medical Care auch an der gesundheitlichen Aufklärung der breiten Öffentlichkeit. In Taiwan zum Beispiel organisieren wir jährlich gemeinsam mit der nationalen Gesellschaft für Nierenheilkunde und mehreren Krankenhäusern eine Aufklärungsveranstaltung, die das Bewusstsein der Bevölkerung für einen gesunden Lebensstil schärfen und die Früherkennung von Nierenerkrankungen fördern soll. In den USA haben wir 2010 erneut die „Kidney Walks“ sowie weitere Sportveranstaltungen und Spendenaktionen unterstützt, die die National Kidney Foundation (Nationale Nierenstiftung der USA) in allen Teilen des Landes organisiert. Auch die Kidney Walks sollen die Öffentlichkeit für die Symptome einer chronischen Nierenerkrankung sensibilisieren. Die Spenden kommen der Arbeit der Stiftung zugute, die neben gesundheitlichen Aufklärungsangeboten auch Forschungsstipendien für Ärzte auf dem Gebiet der Nierenheilkunde vergibt, die Interessen von Dialysepatienten in der Öffentlichkeit vertritt, die nephrologische Forschung fördert und sich für Organspenden einsetzt, damit mehr Patienten eine Nierentransplantation erhalten können. In Brasilien haben wir 2010 anlässlich des weltweiten World Kidney Day („Tag der Niere“) verschiedene Aufklärungsinitiativen für unsere Mitarbeiter, Patienten und für die Öffentlichkeit gestartet; unter anderem organisierten wir Vorträge über die Funktion der Niere, eine gesunde Ernährung sowie Herz- und Gefäßkrankheiten und boten kostenlose Blutdruckmessungen und Glukosetests zur Erkennung von Diabetes an.
Behandlungsmethode, bei der das Peritoneum (Bauchfell), das die Innenwand der Bauchhöhle auskleidet und die inneren Organe bedeckt, als Dialysemembran dient. Durch einen operativ eingesetzten Katheter wird sterile Dialyselösung in die Bauchhöhle eingebracht und wieder abgeführt, um Toxine (Schadstoffe) aufzunehmen und zusammen mit überschüssigem Wasser zu entfernen. Die meisten Behandlungen werden vom Patienten selbst zu Hause oder am Arbeitsplatz mehrmals am Tag oder in der Nacht mittels einer Maschine, des Cyclers, durchgeführt.