Verantwortung gegenüber der Umwelt
Das Umweltmanagement ist ein Faktor unseres wirtschaftlichen Erfolgs: Es trägt dazu bei, dass wir immer strenger werdende Umweltauflagen umsetzen können und unsere betrieblichen Abläufe so ressourceneffizient und damit kostensparend wie möglich gestalten. Darüber hinaus unterstützt es zunehmend unsere Geschäftsbereiche, mit umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Nicht zuletzt sorgt es dafür, dass wir als Unternehmen unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt wahrnehmen.
Umweltmanagement in unseren Regionen
Unsere Geschäftsregionen EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika), Nordamerika, Asien-Pazifik und Lateinamerika weiten ihre Umweltaktivitäten von Jahr zu Jahr aus. Die zuständigen Umweltmanager entwickeln – zum Teil gemeinsam mit externen Beratern – kurz- und langfristige lokale Strategien für mehr Umweltschutz in den Werken und Kliniken und zur Förderung des Umweltbewusstseins bei den Mitarbeitern. Darüber hinaus koordinieren sie die Umwelt-Audits, die externe Behörden und Einrichtungen sowie unternehmenseigene Prüfer in den Werken und Kliniken vornehmen.
Region EMEA
In der Region EMEA ist das Umweltmanagement Teil unseres Integrierten Managementsystems. Die Sachverständigenorganisation TÜV überprüft regelmäßig die Umsetzung der Umweltmanagement-Norm ISO 14001 in unserer Konzernzentrale, in den zertifizierten Werken sowie in den nationalen Klinikorganisationen in Europa. Ende 2010 waren unsere sieben größten europäischen Produktionsstandorte (2009: fünf) und die Medizingeräteentwicklung nach ISO 14001 zertifiziert; darüber hinaus haben wir das Umweltmanagementsystem inzwischen in 255 unserer europäischen Dialysekliniken implementiert (2009: 204 Kliniken).
Von 2007 bis Ende 2010 haben wir in Europa zudem erstmals ein eigenes Umweltprogramm durchgeführt: In zahlreichen Projekten arbeiteten unsere Umweltmanager mit ihren Kollegen aus Forschung und Entwicklung, Produktion, Klinikmanagement, Logistik und Vertrieb zusammen, um umweltfreundlichere Produkte zu entwickeln, Ressourcen wie Energie, Wasser und Produktionsmaterialien einzusparen, ressourceneffiziente Produktionstechnologien und Verpackungslösungen einzuführen sowie gesetzliche Anforderungen an den Umweltschutz, etwa die eu-Chemikalienverordnung reach, fristgerecht zu erfüllen.
Zu den Projekten unseres Umweltprogramms ge hörte zum Beispiel eine Energieeffizienz-Initiative an unseren größten europäischen Produktionsstandorten, dank der wir inzwischen jährlich über 1 MIO € an Energiekosten einsparen. Ein weiteres Projekt war die Einführung der Klinik-Software e-con 5, mit der wir seit 2008 in unseren europäischen Dialysezentren Daten wie beispielsweise den Wasser- und Energieverbrauch sowie die Abfallentsorgung erfassen. Alle drei Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei unseren Bemühungen, Ressourcen zu schonen und Abläufe umweltfreundlicher zu gestalten. Inzwischen wenden 313 unserer europäischen Kliniken e-con 5 an (2009: 261); mit der kontinuierlichen Einführung der Software bauen wir in Europa schrittweise ein umfangreiches Umwelt-Datenmanagementsystem auf. Schon jetzt profitieren wir von e-con 5: Unsere Landeszentralen können durch den monatlichen Vergleich der Öko-Effizienz ihrer Kliniken rasch Verbesserungsmöglichkeiten erkennen und in ihrer Investitionsplanung berücksichtigen.
Derzeit erarbeiten wir ein zweites Umweltprogramm für Europa, das noch im laufenden Geschäftsjahr eingeführt werden soll. Wie beim ersten Programm legen unsere Umweltmanager gemeinsam mit den jeweiligen Geschäftsbereichen Umweltziele für die einzelnen Stufen entlang der Wertschöpfungskette fest, also beispielsweise für die Forschung und Entwicklung oder für unsere Dialysekliniken. Im Vergleich zum ersten Programm wollen wir jedoch mehr messbare Ziele formulieren. Darüber hinaus werden wir im Jahr 2011 damit beginnen, die bestehenden lokalen Systeme für den Arbeitsschutz zu einem zentralen Managementsystem für Arbeitssicherheit zusammenzuführen und in unser Integriertes Managementsystem in Europa einzubinden.
Auch Umweltinitiativen mit externen Partnern werden wir fortsetzen, zum Beispiel das Projekt „Go Green in Dialysis“ (auf Deutsch etwa „Initiative grüne Dialyse“), das wir 2010 gemeinsam mit EDTNA/ERCA (European Dialysis and Transplant Nurses Association/European Renal Care Association), dem europäischen Verband für Pflegefachkräfte in der Nierenheilkunde, gestartet haben. Ende 2011 soll der Umweltleitfaden für Dialysefachkräfte veröffentlicht werden, den wir derzeit im Rahmen von „Go Green in Dialysis“ erarbeiten. Er wird die Klinikmitarbeiter dabei unterstützen, die Abläufe an ihrem Arbeitsplatz umweltfreundlicher zu gestalten, etwa durch einen sparsameren Verbrauch von Wasser, Strom und Dialysekonzentrat sowie durch ein verbessertes Abfallmanagement.
Region Nordamerika
In den USA haben wir für unser Produktgeschäft ein formelles, zertifiziertes Programm zur Überwachung der Umwelt- und Arbeitssicherheitsstandards etabliert, das alle Produktionswerke und Labore jährlich durchlaufen. In den Audits wird überprüft, inwieweit wir die Richtlinien der US-amerikanischen Arbeitsschutzbehörde, des Verkehrsministeriums sowie der US-Umweltschutzbehörde beachten, aber auch die staatlichen und lokalen Gesetze. Das Umweltmanagement in den Kliniken wird sowohl intern als auch durch staatliche Behörden überprüft; ein Kriterium ist dabei die Einhaltung von Richtlinien für die Entsorgung medizinischer Abfälle. Derzeit evaluieren wir, ob wir unsere Kliniken und Produktionsstandorte in den USA zusätzlich nach der Umweltnorm ISO 14001 zertifizieren lassen.
Wie in den anderen Regionen unterstützen sowohl Umweltverantwortliche im Unternehmen als auch externe Partner die Werke und Kliniken in den USA dabei, ihre Abläufe umweltfreundlicher zu gestalten – zum Beispiel durch Recyclingprogramme. In den Kliniken betreiben wir seit einigen Jahren mit einem spezialisierten Entsorgungsunternehmen ein Mehrwegsystem für Sammelbehälter für medizinische Abfälle. Am Standort Ogden, unserem größten Produktionswerk in den USA, führen wir Stoffe aus allen Bereichen des Standorts der Wiederverwertung zu, darunter verschiedene Kunststoffe und Pappe. Im Werk Walnut Creek arbeiten wir mit einem Recycling-Unternehmen zusammen, das auf die Abfalltrennung und -verwertung bei medizinischen und elektronischen Geräten spezialisiert ist, und bereiten so Komponenten gebrauchter Dialysemaschinen als Ersatzteile wieder auf.
Im Oktober 2010 haben wir in den USA einen externen Dienstleister beauftragt, der seither den Energie- und Wasserverbrauch sämtlicher Dialysekliniken laufend erhebt und dokumentiert. Auch die entsprechenden Verbrauchsrechnungen begleicht er in unserem Auftrag. Auf diese Weise erfassen wir den Ressourcenverbrauch unserer Dialysezentren nach einheitlichen Kriterien und erkennen dadurch künftig leichter Möglichkeiten, unsere Energieeffizienz weiter zu verbessern.
Für eine möglichst umweltverträgliche Ausstattung der Gebäude und Innenräume unserer Kliniken in den USA sorgen interne Richtlinien, nach denen wir energieeffiziente Beleuchtungs- und Klimatisierungssysteme sowie umweltfreundliche Bodenbeläge und Wandfarben einsetzen und bei der Isolierung von Dächern, Wänden, Türen und Fenstern Industriestandards einhalten oder übertreffen. Auch bei der Anschaffung von Wasseraufbereitungsanlagen für die Dialyse achten wir zunehmend auf Ressourcenund Energieeffizienz. Seit 2010 bereiten wir für eine unserer Kliniken erstmals auch eine Umweltzertifizierung nach dem US-amerikanischen LEED-Standard vor. LEED steht für „Leadership in Energy and Environmental Design“ (auf Deutsch etwa „Führerschaft in energie- und umweltschonendem Gebäudedesign“); dieser Standard legt Richtlinien für ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen fest. Mehrere Mitarbeiter unserer Abteilung für Immobilien- und Baumanagement bereiten sich derzeit auf ihre formelle Akkreditierung als LEED-Experten vor. Sie werden zunächst gemeinsam mit dem Verpächter der erwähnten Klinik die anstehende Zertifizierung koordinieren und künftig auch allgemein mit den Verpächtern unserer Kliniken zusammenarbeiten, um umweltfreundliche Gebäudestandards in den Zentren zu etablieren. Wir planen in den kommenden Jahren, weitere Kliniken nach dem LEED-Standard zertifizieren zu lassen.
Regionen Asien-Pazifik und Lateinamerika
In Asien-Pazifik inspizieren die lokalen Behörden regelmäßig unter anderem die Abwassersysteme und unseren Energieverbrauch. Darüber hinaus überprüft ein Team von Fresenius Medical Care in jährlichen Audits, inwieweit wir in der Produktion, der Logistik, den Laboren und der Verwaltung die Unternehmensrichtlinien für Ressourceneffizienz und Umweltschutz einhalten, und ermittelt Verbesserungsmöglichkeiten. Dazu nutzen die Prüfer auch die Daten zum Strom-, Gas- und Wasserverbrauch sowie zur Abfallentsorgung, die wir in den Produktions werken laufend erheben. Am Standort Jiangsu in China haben wir 2010 infolge eines internen Audits mehrere Energieeffizienz-Projekte umgesetzt; beispielsweise nutzen wir nun die konstant temperierte Umluft eines unserer Fertigungsbereiche zur Klimatisierung des Warenlagers. Da unsere Produkte in einem festgelegten Temperaturbereich gelagert werden müssen, sparen wir dadurch je nach Jahreszeit Energie für die Beheizung oder Kühlung der Halle. Am Standort Buzen in Japan haben wir dank unseres Umweltmanagements im Jahr 2010 eine Recycling rate von fast 94% erreicht. Darin enthalten sind alle im Werk entstehenden Abfälle mit Ausnahme des separat behandelten Abwassers; ebenfalls enthalten ist die thermische Verwertung von Abfällen, also die Nutzung der Wärmeenergie, die bei der Müllverbrennung durch einen lizenzierten Entsorger entsteht. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diese hohe Recyclingrate im Jahr 2011 erneut zu erreichen.
In Australien entstand 2010 mit unserer finanziellen und fachlichen Unterstützung die – nach unserer Kenntnis – erste Dialyseeinheit der Welt, die mit Solarstrom betrieben wird. Ein Geschäftspartner, der nephrologische Leiter eines australischen Gesundheitsdienstleisters, errichtete die Solaranlage mit Fördermitteln von Fresenius Medical Care auf dem Dach seiner Dialyseeinheit. Mit seinem Stromanbieter vereinbarte er, dass die so gewonnene Energie in das lokale Elektrizitätsnetz eingespeist und mit den Gesamtstromkosten verrechnet wird. So konnte das Zentrum sogar in den vergleichsweise sonnenarmen Monaten des australischen Winters im Jahr 2010 über 90% seines Elektrizitätsbedarfs für die Dialysegeräte sowie für die Anlage zur Wasseraufbereitung selbst gewinnen; im Jahresschnitt erzeugte die Klinik sogar mehr Strom, als sie für beides benötigte. Das Gemeinschaftsprojekt stieß in der Fachwelt auf einiges Interesse, unter anderem im Rahmen der bedeutendsten Branchenkonferenz in den USA, der ASN Renal Week siehe auch hier.
In der Region Lateinamerika haben wir im Umweltmanagement ebenfalls weitere Fortschritte erzielt. Beispielsweise bauen wir in Kolumbien seit 2010 für die gesamte Länderorganisation – also für die Kliniken und die Produktion – ein Umweltmanagementsystem gemäß der Norm ISO 14001 auf. Dabei wollen wir in erster Linie die Kriterien der Norm bestmöglich umsetzen und unsere Mitarbeiter danach schulen; eine offizielle Zertifizierung streben wir derzeit nicht an. In Argentinien erfassen wir seit 2010 kontinuierlich den Wasser- und Energieverbrauch sowie die Entsorgung von medizinischem Abfall in allen Dialysezentren. In der Produktion wollen wir bis Ende des Jahres 2012 ebenfalls ein umfassendes Umweltmanagement-Programm einführen. In beiden Geschäftsbereichen arbeiten wir mit einer externen argentinischen Beratung zusammen, um das Umweltmanagement voranzutreiben. In Venezuela haben wir 2010 eine Umwelt-Aufklärungskampagne für unsere Klinikmitarbeiter zu den Themen Abfallentsorgung, Energie- und Wasserverbrauch gestartet, die wir im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen wollen.
Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen
Wir befassen uns zunehmend mit der Frage, wie Fresenius Medical Care seine Erzeugnisse und Verfahren umweltfreundlicher gestalten kann. Das Ziel ist dabei, den Kunden Mehrwert zu bieten, indem wir ihnen helfen, Kosten einzusparen oder Umweltauflagen leichter zu erfüllen.
Produktentwicklung
In der Forschung und Entwicklung arbeiten wir grundsätzlich daran, unsere Produkte und Verfahren umweltverträglicher zu gestalten – indem wir neue Materialien mit verbesserten Umwelteigenschaften nutzen, neue Technologien entwickeln, die den Ressourcenverbrauch der Dialysegeräte weiter reduzieren, und nicht zuletzt indem wir Energie und Rohstoffe in der Produktion effizient einsetzen. Im Rahmen des ersten Umweltprogramms der Region EMEA siehe hier haben wir zum Beispiel den smartbag entwickelt, eine Verpackung für Flüssig konzentrate, die mit medizinisch reinem Wasser zu Dialyselösung für die Hämodialyse-Behandlung verarbeitet werden. Der smartbag ist PVC-frei; seine Herstellung erfordert nur etwa ein Fünftel des Produktionsmaterials eines herkömmlichen Konzentratkanisters. Zudem lässt sich der Beutel gut recyceln, da er aus Polyolefinen besteht. Die umweltverträglichen Eigenschaften des smartbag bestätigte auch eine Ökobilanz-Analyse, die das Umweltmanagement der Region EMEA im Berichtsjahr gemeinsam mit der Forschung und Entwicklung sowie einer Hochschule durchgeführt hat. Eine Ökobilanz untersucht die Umwelteinflüsse von Produkten über ihren gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung, den Vertrieb und die Nutzung bis hin zur Entsorgung. In den kommenden Jahren wird unser Umweltmanagement insgesamt noch enger mit der Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten, um die Entwicklung von umweltfreundlichen neuen Produkten oder Produktgenerationen voranzutreiben. Unsere Ökobilanz-Analyse im Jahr 2010 hat bestätigt, dass solche Untersuchungen dabei eine wichtige Hilfe sein können – indem sie die Umweltverträglichkeit unserer Produkte messbar und weitere Verbesserungsmöglichkeiten klarer erkennbar machen.
Modell der CO2-neutralen Dialyseklinik
Auch im Geschäft mit Dialysedienstleitungen haben wir im Berichtsjahr an einem umweltfreundlichen Konzept gearbeitet, das Kunden, zum Beispiel Krankenkassen, durch seine Ressourcen- und damit Kosteneffizienz langfristig Mehrwert bieten könnte. Gemeinsam mit der Deutschen Energieagentur (dena) haben wir ein Modell für eine CO2-neutrale Dialyseklinik entwickelt: Nach diesem Modell spart eine Klinik durch ihre umweltfreundliche Strom- und Wärmeversorgung ebenso große Mengen des Treibhausgases CO2 (Kohlendioxid) ein, wie sie durch ihren Energieverbrauch für die Dialyse, die Wasseraufbereitung und den sonstigen Betrieb erzeugt. Möglich machen dies zum Beispiel Solarzellen auf dem Dach zur Stromerzeugung, eine Anlage zur Rückgewinnung von Wärme aus dem Abwasser der Dialysebehandlung, eine besondere Wärmedämmung der Gebäudehülle und Wände sowie eine bestimmte Anordnung der Fenster, um Tageslicht möglichst effizient zu nutzen. Unser gemeinsames Modell mit der dena basiert auf dem Standardgrundriss eines europäischen Dialysezentrums von Fresenius Medical Care; wir haben dafür den Energieverbrauch von bestehenden Dialysezentren in verschiedenen Ländern im Detail analysiert. Das Modell betrachtet die gesamte Klinik als geschlossenes System, in dem Dämmung, erneuerbare Energien und eine effiziente Rückgewinnung von Energie eng aufeinander abgestimmt zusammenwirken. Wir wollen das Modell im kommenden Jahr optimieren und den Bau einer Modellklinik prüfen; ob wir dieses Bauprojekt anschließend umsetzen, hängt unter anderem davon ab, ob sich geeignete Partner und Fördermittel finden.
Behandlungsmethode für Dialysepatienten, bei der das Blut des Patienten durch Blutschläuche aus Kunststoff in einen speziellen Filter, den Dialysator, fließt. Im Dialysator gelangen die Stoffwechselendprodukte und der Flüssigkeitsüberschuss aus dem Blut in die Dialyselösung. Das gereinigte Blut wird dem Patienten wieder zugeführt. Der Prozess wird durch eine Hämodialysemaschine gesteuert, die Blut pumpt, gerinnungshemmende Mittel zusetzt, den Reinigungsprozess reguliert sowie die Mischung der Dialyselösung und ihre Fließgeschwindigkeit durch das System steuert. Normalerweise erhält ein Patient drei Behandlungen pro Woche, die je drei bis sechs Stunden dauern.