Service für Patienten und Partner
Ein ganzheitliches Verständnis von Qualität – das bedeutet für Fresenius Medical Care, dass wir Patienten auch über die Versorgung mit Dialyseprodukten und -dienstleistungen hinaus bestmöglich betreuen möchten. Unser Kernangebot als Dialyseunternehmen ergänzen wir deshalb durch Zusatzangebote wie die Beratung für Patienten und Partner im Gesundheitswesen sowie weitere Services.
Beratung für Patienten
Je umfassender ein Nierenpatient über seine Krankheit informiert ist – und über seine eigenen Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen – desto besser die Ergebnisse der Behandlung. Deshalb legt Fresenius Medical Care großen Wert auf eine intensive gesundheitliche Beratung und Schulung von Dialysepatienten. Im Berichtsjahr haben wir unser Beratungsangebot weiter ausgebaut. Ein Beispiel ist die Serie „Thrive! with UltraCare“ (auf Deutsch etwa „Gut leben mit UltraCare“), die wir 2010 um eine neue Reihe von Videos und Hörspielen erweitert haben. Darin sprechen Dialysepatienten, die in Kliniken von Fresenius Medical Care betreut werden, über Themen, die vielen Patienten Schwierigkeiten bereiten, aber auf den Behandlungserfolg einen erheblichen Einfluss haben: Warum es zum Beispiel entscheidend ist, jeden Behandlungstermin wahrzunehmen, warum ein Patient darauf achten muss, sich gesund zu ernähren, sich zu bewegen und wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen, oder wie er mit Depressionen umgehen kann. Diese treten bei den Patienten aufgrund der Einschränkungen durch die Nierenerkrankung häufiger auf. Unsere Patienten in den USA können sich die Thrive!-Materialien in den Kliniken oder zu Hause mit ihren Familien ansehen und -hören. Mit Hilfe der Trainingsmodule des Programms sollen außerdem unsere Klinikmitarbeiter befähigt werden, sich besser in die Patienten hineinzuversetzen, um noch stärker auf deren Bedürfnisse eingehen und sie dadurch zur noch disziplinierteren Einhaltung ihres Therapieplans motivieren zu können.
An Patienten mit Vorstufen des chronischen Nierenversagens richtet sich unser Treatment Options Program (TOPs), auf Deutsch etwa „Programm zu Behandlungsmöglichkeiten“. Wir bieten es in den USA seit 2006 kostenlos auf Englisch und Spanisch an, um die Patienten und ihre Familien über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten beim chronischen Nierenversagen aufzuklären – von der Hämodialyse-Behandlung in der Klinik über eine Peritonealdialyse-Therapie zu Hause bis hin zur Nierentransplantation. Zudem erläutern wir den Patienten, wie wichtig es für die Qualität der Therapie ist, frühzeitig vor Beginn der Dialyse einen geeigneten Gefäßzugang legen zu lassen, um das Risiko einer Infektion zu minimieren und für einen optimalen Blutfluss während der Behandlung zu sorgen: Es ist erwiesen, dass ein Zugang in Form einer arteriovenösen Fistel siehe Glossar das Risiko von Komplikationen und zusätzlichen Krankenhaustagen im Vergleich zum Hämodialyse-Katheter deutlich verringert. Von September 2006 bis Oktober 2010 haben wir mit TOPs bereits mehr als 146.500 Patienten geschult; rund 90 Prozent der befragten Patienten gaben an, das Programm bei ihrer Orientierung hilfreich gefunden zu haben. Im Segment International nutzen wir das Programm Kidney Options, um Patienten – ähnlich wie bei TOPs – eine erste Orientierung zum Verlauf des chronischen Nierenversagens und möglichen Therapieformen zu geben. Inzwischen ist die Aufklärungsserie in 28 Sprachen verfügbar und wird weltweit in über 40 Ländern eingesetzt.
Beginnen Patienten schließlich mit der Dialyse, so ist diese erste Phase der Therapie für sie häufig besonders schwierig: Der Lebensalltag ändert sich einschneidend; sie müssen die Zeit für eine mehrstündige Behandlung mehrmals in der Woche einplanen, die Auswahl an Speisen, die sie zu sich nehmen dürfen, ist eingeschränkt. Täglich müssen sie zahlreiche Medikamente einnehmen – und das bei stark reduzierter Trinkmenge. Vielen Patienten fällt es schwer, die notwendige Disziplin für diesen Behandlungsplan aufzubringen – besonders dann, wenn sie wenig über ihre Krankheit wissen. Um sie gerade in dieser ersten schwierigen Phase auch über ihren Besuch in unserer Klinik hinaus noch intensiver zu betreuen, hat Fresenius Medical Care 2010 in Nordamerika das Programm RightStart eingeführt, das wir sukzessive auf alle unsere Kliniken in den USA ausweiten: Jeder neue Dialysepatient erhält künftig während der ersten Monate seiner Behandlung einen wöchentlichen Besuch oder Anruf von einer Dialysefachkraft, die auf das Case Management spezialisiert ist siehe Glossar. Dieser Case Manager informiert den Patienten umfassend über den Krankheits- und Behandlungsverlauf, über die Bedeutung eines hochwertigen Gefäßzugangs, über eine gesunde Ernährung und besondere Behandlungsanforderungen, wenn der Patient außerdem an Diabetes leidet (zusätzliche Untersuchungen und Glukosetests). Er beantwortet Fragen des Patienten und arbeitet mit dem Team der Dialyseklinik eng zusammen, damit dieses die Therapie möglichst eng auf die Bedürfnisse des Patienten abstimmen kann. RightStart soll die Klinikteams dabei unterstützen, die Lebensqualität der Patienten in der kritischen ersten Therapiephase zu verbessern, und zugleich das Selbstbewusstsein der Patienten stärken – denn diese tragen erheblich zum Behandlungserfolg bei, wenn sie Eigeninitiative zeigen, fundierte Informationsangebote nutzen und bewusst Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen.
Beratung für Partner im Gesundheitswesen
In der komplexen – und vergleichsweise jungen – medizinischen Disziplin der Dialyse sind kontinuierliche Schulungsangebote für Ärzte und Pflegepersonal ebenso wichtig wie die Beratung der Patienten. Im Rahmen des Advanced Renal Education Program (AREP), unserem internetbasierten Weiterbildungsprogramm in den USA zu Themen rund um die Behandlung und Pflege von Dialysepatienten, bieten wir beispielsweise ganz- und halbtägige Seminare für Nephrologen sowie E-Learning-Kurse für Ärzte und Pflegepersonal an. Verstärkt schulen wir auch Ärzte in Asien, Afrika und dem Nahen Osten zu Qualitätsthemen in der Dialyse, wo Behandlungsstandards zum Teil noch entwickelt werden und die Nachfrage nach einer professionellen Beratung entsprechend groß ist. Weltweit organisiert Fresenius Medical Care außerdem Fachtagungen, Vorträge und Workshops gemeinsam mit internationalen Experten der Nierenheilkunde.
Auch Gesundheitsbehörden und -organisationen beraten wir: In Russland zum Beispiel unterstützt Fresenius Medical Care Initiativen, in denen neue Qualitätsstandards in der Dialyse erarbeitet werden. Den Rahmen dafür bietet unter anderem eine deutsch-russische Nichtregierungsorganisation, die gemeinsame Projekte der beiden Länder zur Verbesserung der medizinischen Versorgung koordiniert. Durch ihr Know-how gelten deutsche Gesundheitsunternehmen in Russland als verlässliche und qualifizierte Partner.
Weitere Serviceangebote
Zu unserem Service gehören neben Beratungs- und Schulungsprogrammen weitere Angebote. Ein Beispiel ist die Versandapotheke Fresenius Rx, die wir in den USA betreiben. Dialysepatienten müssen in der Regel täglich zahlreiche verschiedene Medikamente einnehmen. Weil viele Menschen mit chronischem Nierenversagen zudem unter Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herz- und Gefäßkrankheiten leiden, erhalten sie häufig Rezepte von verschiedenen Ärzten. Fresenius Rx ist auf die Bedürfnisse von Nierenpatienten spezialisiert und unterstützt sowohl sie als auch Ärzte und Kliniken:
- Ein Team von Apothekern überprüft alle Rezepte eines Patienten auf mögliche Wechselwirkungen und führt alle Verschreibungen in einer Liste zusammen, die regelmäßig an die Dialyseklinik und die behandelnden Ärzte geschickt wird. So tragen wir zu Transparenz und damit zu einer sicheren Behandlung bei.
- Wir liefern die Medikamente kostenlos an die Patienten; diese werden informiert, wenn eine neue Sendung unterwegs ist. Läuft ein Arzneimittelrezept demnächst ab und muss erneuert werden, benachrichtigen wir wiederum den Arzt. So stellen wir Unregelmäßigkeiten bei der Medikamenteneinnahme eines Patienten fest und unterstützen dadurch den Behandlungserfolg.
- Ein Team von Spezialisten ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche für Rückfragen von Patienten oder Ärzten erreichbar.
Dialysedienstleistungen in Krisensituationen
Bei extremen Witterungsverhältnissen oder gar Naturkatastrophen wie schweren Stürmen oder Fluten werden in Nordamerika professionelle Noteinsatzteams von Fresenius Medical Care aktiv. Um die lebenserhaltende Dialysebehandlung für die Patienten fortzuführen, übernehmen diese Teams, zum Beispiel während der Hurrikan-Saison, die Koordination von Notunterkünften, den Einsatz von Generatoren, die Verteilung von Nahrungsmitteln und Treibstoff sowie die Einteilung zusätzlicher Mitarbeiter. Der übergeordnete Krisenstab (Incident Command Center) von Fresenius Medical Care North America steht dabei in engem Kontakt mit dem US-weiten Krisennetzwerk Kidney Community Emergency Response Coalition (KCER), einem Zusammenschluss verschiedener Organisationen und Einrichtungen – etwa Patienten- und Berufsverbänden in der Nierenheilkunde, Dialyseanbietern, Krankenhäusern sowie Behörden wie der Zulassungsstelle für Lebensmittel und Medikamente FDA und den Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS). Durch die Zusammenarbeit mit KCER können wir unser Krisenmanagement bei Bedarf auch eng mit den Aktivitäten staatlicher Einrichtungen koordinieren, zum Beispiel denen der Federal Emergency Management Agency (FEMA), einer nationalen Koordinationsstelle der Vereinigten Staaten für Katastrophenhilfe, und des Heimatschutzministeriums (United States Department of Homeland Security), dem die FEMA unterstellt ist.
Im Jahr 2010 haben vor allem starke Schneestürme die Noteinsatzteams beschäftigt. Hierbei konnten wir dank unserer Notfallpläne auch Patienten anderer Dialyseanbieter versorgen. Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet im Berichtsjahr war Haiti, wo wir innerhalb von 72 Stunden Dialysematerialien an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ geliefert haben; Näheres dazu im „Verantwortung“ sowie in unserem sowie in unserem <Magazin>. 2010 hat Fresenius Medical Care North America für sein Krisenmanagementsystem und seine gute Zusammenarbeit mit externen Kriseneinrichtungen eine Auszeichnung vom USamerikanischen Zweig der International Association of Emergency Managers (IAEM) erhalten. IAEM ist ein gemeinnütziger internationaler Verband, der sich weltweit unter anderem mit Publikationen, Seminaren und Konferenzen für ein professionelles Krisen- und Katastrophenmanagement einsetzt.
In der Region EMEALA haben wir in den vergangenen Jahren ebenfalls eine Krisenmanagement-Organisation aufgebaut, um Patienten und Mitarbeiter in Notfallsituationen, zum Beispiel bei Naturkatastrophen oder Pandemien, zu schützen und die Patienten auch unter schwierigen Rahmenbedingungen bestmöglich zu versorgen. Nachdem sich unsere Aktivitäten 2009 auf Pandemien und ganz konkret das H1N1-Virus (das „Schweinegrippe“-Virus) konzentriert hatten, dessen Auswirkungen auf unser Geschäft dank eines umfassenden Notfallplans sehr gering waren, wollen wir das Krisenmanagement in den kommenden Jahren für andere Notfallszenarien weiter ausbauen. Einen größeren Einsatz im Berichtsjahr hatten unsere Teams in Chile, nach dem schweren Erdbeben Ende Februar. Hier konnten wir innerhalb von 48 Stunden nach der Katastrophe fast alle eigenen Kliniken wieder in Betrieb nehmen und die Versorgung der Patienten unserer einzigen nicht mehr betriebsfähigen Klinik organisieren. Darüber hinaus haben wir Wasseraufbereitungsspezialisten, die auch öffentliche Kliniken und Dialysezentren anderer privater Anbieter unterstützten, in die Region entsendet und in enger Zusammenarbeit mit dem chilenischen Gesundheitsministerium Kapazitäten geschaffen, um bis zu 400 zusätzliche Patienten aus Gebieten zu behandeln, die vom Erdbeben betroffen waren.
Behandlungsmethode für Dialysepatienten, bei der das Blut des Patienten durch Blutschläuche aus Kunststoff in einen speziellen Filter, den Dialysator, fließt. Im Dialysator gelangen die Stoffwechselendprodukte und der Flüssigkeitsüberschuss aus dem Blut in die Dialyselösung. Das gereinigte Blut wird dem Patienten wieder zugeführt. Der Prozess wird durch eine Hämodialysemaschine gesteuert, die Blut pumpt, gerinnungshemmende Mittel zusetzt, den Reinigungsprozess reguliert sowie die Mischung der Dialyselösung und ihre Fließgeschwindigkeit durch das System steuert. Normalerweise erhält ein Patient drei Behandlungen pro Woche, die je drei bis sechs Stunden dauern.
Behandlungsmethode, bei der das Peritoneum (Bauchfell), das die Innenwand der Bauchhöhle auskleidet und die inneren Organe bedeckt, als Dialysemembran dient. Durch einen operativ eingesetzten Katheter wird sterile Dialyselösung in die Bauchhöhle eingebracht und wieder abgeführt, um Toxine (Schadstoffe) aufzunehmen und zusammen mit überschüssigem Wasser zu entfernen. Die meisten Behandlungen werden vom Patienten selbst zu Hause oder am Arbeitsplatz mehrmals am Tag oder in der Nacht mittels einer Maschine, des Cyclers, durchgeführt.