Finanzlage
Grundsätze und Ziele des Finanzmanagements
Neben der Optimierung der Finanzierungskosten hat die Sicherung der finanziellen Flexibilität die höchste Priorität in der Finanzierungsstrategie von Fresenius Medical Care. Finanziell flexibel bleiben wir, indem wir eine breite Palette von Finanzierungsinstrumenten einsetzen und bei Investoren und Banken stark diversifizieren. Unser Finanzierungsprofil ist charakterisiert durch eine breite Streuung – vom kurzfristigen Forderungsverkaufsprogramm, das jährlich verlängert wird, bis zu vorrangigen Anleihen, die erst im Jahr 2021 fällig werden. Daneben können wir unseren Finanzierungsspielraum bedarfsweise über unterschiedlich strukturierte Kredite erweitern. Neben dieser Kombination aus kurz-, mittel- und langfristigen Finanzierungsinstrumenten wird der Finanzierungsbedarf im Wesentlichen über den operativen Cash Flow gedeckt.
Zentrales Finanzierungsinstrument ist die syndizierte Kreditvereinbarung mit zwei langfristigen Darlehen (Term Loan A, Term Loan B). Am 29. September 2010 haben wir unsere Kreditvereinbarung aus dem Jahr 2006 erweitert und um zwei Jahre verlängert.
Zusätzlich nutzen wir diverse andere mittel- und langfristige Finanzierungsinstrumente, darunter:
- nachrangige Anleihen (Trust Preferred Securities), die Mitte 2011 auslaufen;
- in geringerem Umfang vorrangige unbesicherte Euro-Schuldscheindarlehen mit festen und variablen Tranchen sowie
- vorrangige unbesicherte Anleihen in Euro und US-Dollar.
Unsere Finanzierungsaktivitäten sind darauf ausgerichtet, den Einsatz von nachrangigen Finanzierungsinstrumenten zu reduzieren und gegebenenfalls durch vorrangige Anleihen zu ersetzen. Mit den nur teilweise genutzten Kreditlinien sowie dem im September 2010 erneuerten und von 650 MIO US $ auf 700 MIO US $ erhöhten Rahmen des Forderungsverkaufsprogramms verfügen wir über ausreichende finanzielle Ressourcen. Als Zielgröße von zugesicherten und nicht genutzten Kreditlinien streben wir einen Korridor von 300 bis 500 MIO US $ an. Unser kurzfristiger Refinanzierungsbedarf beschränkt sich auf die Zahlung in Höhe von 485 MIO € für unsere Akquisition der International Dialysis Centers, die Höhe der Dividendenzahlung von etwa 197 MIO € im Mai 2011, die Ablösung der Trust Preferred Securities im Juni 2011 in Höhe von 225 MIO US $ und 300 MIO € sowie die Verlängerung des Forderungsverkaufsprogramms im Oktober 2011. Die Refinanzierung wird im Einklang mit der beschriebenen Finanzierungsstrategie stehen.
In unserer langfristigen Finanzplanung orientieren wir uns in erster Linie am Verschuldungsgrad, definiert als Debt-EBITDA-Verhältnis. Dabei werden die Finanzverbindlichkeiten (Debt) zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und anderen nicht zahlungswirksamen Aufwendungen ins Verhältnis gesetzt. Fresenius Medical Care verfügt über eine starke Marktposition im wachsenden und als nicht zyklisch angesehenen Dialysesektor. Dieser ist durch relativ stabile Cash Flows gekennzeichnet; unsere Marktposition wird darüber hinaus durch eine hohe Kreditqualität der meisten Kunden unterstützt. Dies erlaubt uns eine beständigere und höhere Verschuldung, als das in anderen Industrien der Fall sein mag. Zum Ende des Geschäftsjahres 2010 lag das Debt-EBITDA-Verhältnis bei 2,38, im Vergleich zu 2,46 im Vorjahr. Weitere Informationen enthält der Abschnitt „Strategie, Ziele und Unternehmenssteuerung“. Zusätzliche Angaben zur Finanzierung finden Sie im Finanzbericht im Abschnitt „Liquidität und Mittelherkunft“, in Anmerkung 8 und in Anmerkung 9 des Finanzberichts sowie im „Prognosebericht“.
WESENTLICHE FINANZIERUNGSINSTRUMENTE VON FRESENIUS MEDICAL CARE |
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|---|---|---|---|---|
Jahr der Ausgabe |
Betrag in MIO |
Kupon |
Fälligkeit |
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| 1Zu Beginn vor Tilgungen. | ||||
| Kreditvereinbarung Term Loan A | 2006 | 1.850 $1 | — | 31.03.2013 |
| Kreditvereinbarung Term Loan B | 2006 | 1.750 $1 | — | 31.03.2013 |
| Trust Preferred Securities IV | 2001 | 225 S | 7,875% | 15.06.2011 |
| Trust Preferred Securities V | 2001 | 300 € | 7,375% | 15.06.2011 |
| Schuldscheindarlehen | 2009 | 155 € | — | 27.10.2012 |
| Schuldscheindarlehen | 2009 | 45 € | — | 27.10.2014 |
| Anleihe 2010 - 2016 | 2010 | 250 € | 5,500% | 15.07.2016 |
| Anleihe 2007 - 2017 | 2007 | 500 S | 6,875% | 15.07.2017 |
| Anleihe 2011 - 2021 | 2011 | 650 S | 5,750% | 15.02.2021 |
| Anleihe 2011 - 2021 | 2011 | 300 € | 5,250% | 15.02.2021 |
Rating
Im Laufe des vergangenen Jahres haben die Ratingagenturen Standard&Poor’s (im zweiten Quartal 2010) und Fitch (im dritten Quartal 2010) den Ausblick von Fresenius Medical Care jeweils von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Alle Unternehmensratings wurden im Berichtsjahr bestätigt. Das Rating von Moody‘s liegt weiterhin bei „Ba1“ (mit stabilem Ausblick); die Ratingagentur Fitch stuft das Unternehmensrating für Fresenius Medical Care mit „BB“ ein, und Standard & Poor’s beließ das Unternehmensrating ebenfalls bei „BB“.
RATING |
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|---|---|---|---|
Standard & Poor's |
Moody's |
Fitch |
|
| Unternehmensrating | BB | Ba 1 | BB |
| Ausblick | Positiv | Stabil | Positiv |
| Vorrangige besicherte Finanzverbindlichkeiten | BBB – | Baa3 | BBB – |
| Vorrangige unbesicherte Finanzverbindlichkeiten | BB | Ba2 | BB |
| Nachrangige Finanzverbindlichkeiten | BB | Ba3 | B + |
Bedeutung außerbilanzieller Finanzierungsinstrumente für die Finanz- und Vermögenslage
Fresenius Medical Care ist nicht an außerbilanziellen Geschäften beteiligt, die sich gegenwärtig oder zukünftig aller Wahrscheinlichkeit nach wesentlich auf die Finanzlage, die Aufwendungen oder Erträge, die Ertragslage, die Liquidität, die Investitionsausgaben, das Vermögen oder die Kapitalausstattung auswirken werden.
Liquiditätsanalyse
Quellen der Liquidität sind der operative Cash Flow und die von Dritten gewährten Kredite sowie der Einsatz weiterer Finanzierungsinstrumente nach Bedarf. Wir benötigen die Finanzmittel vornehmlich zur Finanzierung des Nettoumlaufvermögens, zur Finanzierung von Akquisitionen, zum Auf- und Ausbau sowie der Ausrüstung eigener Dialysezentren und Produktionsstätten sowie zur Rückzahlung von Finanzverbindlichkeiten und Ausschüttung von Dividenden. Umfangreiche Angaben zur Liquidität finden Sie im Finanzbericht im Abschnitt „Liquidität und Mittelherkunft“.
Dividende
Fresenius Medical Care schlägt der Hauptversammlung die 14. Dividendenerhöhung in Folge vor: Die vorgeschlagene Dividende je Stammaktie soll von 0,61 € für das Geschäftsjahr 2009 auf 0,65 € für das Geschäftsjahr 2010 steigen, die Dividende je Vorzugsaktie auf 0,67 € (2009: 0,63 €). Dies entspricht einem Plus von 7 bzw. 6% im Vergleich zum Vorjahr. Die gesamte erwartete Ausschüttungssumme dürfte sich auf rund 197 MIO € belaufen (2009: 183 MIO €). Weitere Informationen zur Dividende finden Sie im Abschnitt „Dividende“.
Investitionen und Akquisitionen
Wichtige Bereiche für Investitionen sind grundsätzlich die Instandhaltung von existierenden Kliniken sowie die Ausstattung von neuen Kliniken. Zusätzlich haben wir im vergangenen Jahr in die Instandhaltung und Erweiterung von Produktionsstätten investiert. Darüber hinaus trug die Aktivierung von Dialysemaschinen, die hauptsächlich an Kunden des Segments International ausgeliefert wurden, zum Investitionsaufwand bei. Diese Investitionen werden durch den operativen Cash Flow oder über existierende bzw. neue Kredite finanziert.
NETTO-INVESTITIONEN UND AKQUISITIONEN NACH SEGMENTEN |
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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
in MIO US $ |
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2010 |
2009 |
davon Sachanlagen |
davon Akquisitionen/ immaterielle Vermögens- gegenstände und sonstige Investitionen |
davon Desinvestitionen |
Veränderung |
Anteil am Gesamtvolumen |
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| Nordamerika | 513 | 418 | 286 | 237 | 10 | 95 | 46% | |
| International | 590 | 330 | 221 | 373 | 4 | 260 | 52% | |
| Zentralbereiche | 22 | (50) | — | 154 | 132 | 72 | 2% | |
GESAMT |
1.125 | 698 | 507 | 764 | 146 | 427 | 100% | |
Im Jahr 2010 wendete Fresenius Medical Care 1.446 MIO US $ für Investitionen, Akquisitionen und den Erwerb von immateriellen Vermögensgegenständen auf. Davon waren 1.288 MIO US $ im Jahr 2010 zahlungswirksam. Auf das Segment Nordamerika entfielen hiervon 524 MIO US $ und auf das Segment International 608 MIO US $ und auf die Zentralbereiche 156 MIO US $.
Insgesamt haben wir Netto-Investitionen in Sachanlagen in Höhe von 507 MIO US $ getätigt, nach 562 MIO US $ im Vorjahr. Ein großer Teil der Investitionsausgaben – 306 MIO US $ – betraf die Instandhaltung bestehender Kliniken und die Ausrüstung neuer Kliniken. Zudem haben wir 124 MIO US $ in die Instandhaltung und den Ausbau der Produktionskapazitäten investiert, vorwiegend in Deutschland und Nordamerika. 93 MIO US $ entfielen bei unseren Vertriebsgesellschaften auf die Aktivierung von Geräten, die – vorwiegend im Segment International – Kunden zur Verfügung gestellt wurden. Ein geringerer Betrag in Höhe von 16 MIO US $ ist durch Desinvestitionen zugeflossen. Die Investitionen in Sachanlagen machten etwa 4% des Gesamtumsatzes aus und lagen somit leicht unter dem Vorjahresniveau von 5%.
Circa 44% der Netto-Investitionen wurden für Erweiterungsmaßnahmen ausgegeben, 56% dienten der Instandhaltung bestehender Produktionsstätten und Dialysekliniken.
Auf Nordamerika entfielen rund 56% unserer Nettoinvestitionen, gefolgt von Europa mit 31%, Asien-Pazifik mit 8% und Lateinamerika mit 5%.
Für Akquisitionen, die vornehmlich den Erwerb von Dialysekliniken und des internationalen Peritonealdialyse-Geschäfts von Gambro betrafen, sowie für die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit Galenica für Medikamente zur Nierentherapie und den Erwerb von Lizenzen haben wir 2010 etwa 632 MIO US $ aufgewendet. Davon entfielen 237 MIO US $ auf das Segment Nordamerika und 373 MIO US $ auf das Segment International und 22 MIO US $ auf die Zentralbereiche.
Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 1.125 MIO US $ für Investitionstätigkeiten und Akquisitionen unter Berücksichtigung von Desinvestitionen aufgewendet, 427 MIO US $ mehr als im Vorjahr (698 MIO US $).
Cash-Flow-Analyse
Der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit, auch als operativer Cash Flow bezeichnet, lag im Jahr 2010 bei 1,37 MRD US $, nach 1,34 MRD US $ im Geschäftsjahr 2009. Das entspricht einer Steigerung von etwa 2% gegenüber dem Vorjahr, hauptsächlich als Folge von Verbesserungen des Nettoumlaufvermögens, inklusive gesunkener Lagerbestände sowie eines gestiegenen Ergebnisses. Diese Steigerungen wurden teilweise durch höhere Ertragsteuerzahlungen ausgeglichen. Die Mittelzuflüsse wurden für Investitionsmaßnahmen (Sachanlagen und Akquisitionen) verwendet. Eine detaillierte Beschreibung weiterer Faktoren finden Sie im Abschnitt Finanzbericht im „Liquidität und Mittelherkunft“.
Im Geschäftsjahr 2010 verzeichneten wir ein regional unterschiedliches Zahlungsverhalten unserer Kunden. Die Forderungslaufzeiten, das heißt die Anzahl der Tage bis zum Begleichen ausstehender Rechnungen, haben sich im vergangenen Jahr insgesamt leicht erhöht. Die Forderungslaufzeiten im Segment Nordamerika waren auch 2010 auf anhaltend niedrigem Niveau. Im Segment International trat die von uns erwartete Erhöhung der Forderungslaufzeiten ein; sie spiegelt im Wesentlichen die durchschnittlichen Zahlungsverzögerungen bei staatlichen und privaten Stellen vor allem in Europa wider, bedingt noch durch die weltweite Finanzmarktkrise. Da wir einen Großteil unserer Erstattungen von staatlichen Gesundheitsorganisationen und privaten Versicherungsgesellschaften erhalten, gehen wir davon aus, dass die meisten Forderungen einbringlich sind. In den am stärksten von der globalen Finanzkrise betroffenen Ländern erwarten wir wie im vergangenen Jahr einen leichten Anstieg der Forderungslaufzeiten. Weitere Informationen erhalten Abschnitt Sie im folgenden „Vermögenslage“.
FORDERUNGSLAUFZEITEN |
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|---|---|---|---|
in Tagen |
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2010 |
2009 |
Veränderung |
|
| Nordamerika | 54 | 52 | 2 |
| International | 116 | 110 | 6 |
GESAMT |
76 | 72 | 4 |
Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr einen Free Cash Flow vor Akquisitionen und Dividenden in Höhe von 861 MIO US $ erzielt, nach 777 MIO US $ im Geschäftsjahr 2009. Unter Berücksichtigung der Zahlungen für Akquisitionen (abzüglich Veräußerungen) in Höhe von 618 MIO US $ (2009: 136 MIO US $) und Dividenden in Höhe von 263 MIO US $ (2009: 232 MIO US $) errechnet sich ein Free Cash Flow von 11 MIO US $, nach 409 MIO US $ im Vorjahr. Weitere Informationen erhalten Sie im Abschnitt „Investitionen und Akquisitionen“.
GEKÜRZTE CASH-FLOW-RECHNUNG |
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|---|---|---|---|
in MIO US $ |
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2010 |
2009 |
Veränderung |
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| Eine ausführliche Darstellung finden Sie im Finanzbericht. | |||
| Flüssige Mittel am Jahresanfang | 301 | 222 | 36% |
| Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit | 1.368 | 1.339 | 2% |
| Cash Flow aus Investitionstätigkeiten | (1.125) | (698) | — |
| Cash Flow aus Finanzierungstätigkeiten | (15) | (559) | — |
| Wechselkursbedingte Veränderungen | (6) | (3) | 139% |
| Flüssige Mittel am Jahresende | 523 | 301 | 74% |
| Free Cash Flow | 861 | 777 | 11% |
Behandlungsmethode, bei der das Peritoneum (Bauchfell), das die Innenwand der Bauchhöhle auskleidet und die inneren Organe bedeckt, als Dialysemembran dient. Durch einen operativ eingesetzten Katheter wird sterile Dialyselösung in die Bauchhöhle eingebracht und wieder abgeführt, um Toxine (Schadstoffe) aufzunehmen und zusammen mit überschüssigem Wasser zu entfernen. Die meisten Behandlungen werden vom Patienten selbst zu Hause oder am Arbeitsplatz mehrmals am Tag oder in der Nacht mittels einer Maschine, des Cyclers, durchgeführt.