Für den Geschäftsverlauf wesentliche Ereignisse
Akquisitionen und Desinvestitionen
Unsere Investitionsstrategie hat sich auch 2010 nicht geändert: Mit dem kontinuierlichen Ausbau unseres Kliniknetzes, unseres Produktgeschäfts und der Erweiterung unserer Produktionskapazitäten investieren wir verstärkt in künftiges Wachstum. Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir insgesamt 618 MIO US $ für Akquisitionen abzüglich Desinvestitionen aufgewendet; die Gesamtinvestitionen (netto) lagen bei 507 MIO US $.
Um unsere Marktposition bei Dialysedienstleistungen im asiatisch-pazifischen Raum zu stärken, haben wir im Berichtsjahr die Asia Renal Care Ltd. übernommen. Das Unternehmen war nach Fresenius Medical Care der zweitgrößte Dialysedienstleister in der Region; es behandelte zum Ende des Berichtsjahres rund 5.300 Patienten in etwa 80 Kliniken. Die Übernahme wird jährlich rund 80 MIO US $ zum Umsatz von Fresenius Medical Care beitragen und sich bereits 2011 positiv im Konzernergebnis niederschlagen.
Mit der Übernahme von Nikkiso Medical Korea Co. Ltd. haben wir zudem unsere führende Position im Geschäft mit Dialyseprodukten in der Republik Korea weiter ausgebaut. Die Akquisition wird jährlich rund 15 MIO US $ zum Umsatz beitragen und sich ebenfalls ab 2011 positiv auf das Konzernergebnis auswirken.
In der russischen Region Krasnodar haben wir KNC (Kraevoy Nefrologicheskiy Centr), einen privaten Betreiber von Dialysekliniken, übernommen. Fresenius Medical Care ist mit dieser Akquisition nunmehr für die Versorgung von etwa 1.000 Patienten in fünf Kliniken verantwortlich. Die Akquisition wird jährlich rund 25 MIO US $ zum Umsatz beitragen und das Konzernergebnis ab 2011 positiv beeinflussen.
Darüber hinaus haben wir im Berichtsjahr das internationale Peritonealdialyse-Geschäft des schwedischen Unternehmens Gambro übernommen. Mit dieser Akquisition beabsichtigen wir, unsere Aktivitäten im Bereich der Heimdialyse zu stärken, vor allem in Europa und der Region Asien-Pazifik. Der Umsatzbeitrag beläuft sich jährlich auf rund 60 MIO US $ und wirkt sich ab 2011 positiv auf das Konzernergebnis aus. Fresenius Medical Care hat die Übernahme Ende Dezember 2010 abgeschlossen.
Weitere Informationen finden Sie im Kapitel Finanzlage.
Kooperationen
Auch im vergangenen Jahr haben wir unsere bestehenden Kooperationen fortgeführt, zum Beispiel die 2008 abgeschlossenen Lizenz- und Vertriebsvereinbarungen für die Vermarktung und den Vertrieb von intravenös verabreichten Eisenpräparaten. Hierüber haben wir im Geschäftsbericht 2008 auf den Seiten Kooperationen und Dialysemedikamente ausführlich berichtet.
Außerdem haben wir im Berichtsjahr mit der japanischen Gesellschaft Nikkiso Co. Ltd. eine exklusive Vertriebsvereinbarung für Hämodialyse- und Peritonealdialyse-Produkte in Japan geschlossen; die Vereinbarung ist auf eine Dauer von zehn Jahren ausgelegt. Durch die Kombination der effizienten Fertigungsverfahren von Fresenius Medical Care und Nikkisos starker Vertriebsorganisation wollen beide Unternehmen ihren Marktanteil in Japan weiter erhöhen, insbesondere bei Dialysatoren und Produkten für die Peritonealdialyse.
Darüber hinaus haben wir 2010 mit dem Unternehmen Galenica Ltd. ein gemeinsames Unternehmen – die Vifor Fresenius Medical Care Renal Pharma Ltd. – gegründet, um Medikamente für Nierenkranke zu entwickeln und weltweit zu vertreiben. Weitere Informationen erhalten Sie im Abschnitt „Wachstumsstrategie“.
Geschäftsumfeld
Das Geschäftsumfeld sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen, die für unser Geschäft von besonderer Relevanz sind, blieben 2010 weitgehend unverändert.
Im Januar 2011 ist in den USA, unserem größten Absatzmarkt, ein neues Vergütungssystem für die Dialyse eingeführt worden; es betrifft Dialysebehandlungen staatlich versicherter Patienten (Medicare-Patienten). Spezifische Produkte und Dienstleistungen, die vorher separat abgerechnet wurden, sind zu einem pauschalen Erstattungsbetrag zusammengefasst worden. Ein besonderes Merkmal dieses neuen Erstattungssystems ist neben einem Inflationsausgleich ab dem Jahr 2012 die Orientierung an bestimmten Qualitätsparametern, wie Steuerung des Hämoglobin-Gehalts des Blutes (Anämie-Management) und Mineralstoffwechsel der Knochen. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Kapitel „Gesundheits- und Vergütungssysteme“.
Unternehmensleitung
Im Dezember 2009 hat Fresenius Medical Care Veränderungen im Vorstand der persönlich haftenden Gesellschafterin bekannt gegeben: Der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Dr. Ben Lipps wurde bis zum 31. Dezember 2012, und somit um ein weiteres Jahr, verlängert. Gleichzeitig wurde Rice Powell mit Wirkung zum 1. Januar 2010 als designierter Nachfolger von Dr. Lipps zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Fresenius Medical Care sowie zum CEO von Fresenius Medical Care North America ernannt. Rice Powell ist seit 1997 für das Unternehmen tätig und gehört seit 2004 dem Vorstand an.
Ebenfalls zum 1. Januar 2010 hat Fresenius Medical Care Michael Brosnan zum neuen Finanzvorstand ernannt. Er ist bereits seit 1998 für das Unternehmen tätig; in den vorangegangenen sieben Jahren bekleidete er die Position des Finanzvorstands bei Fresenius Medical Care North America.
Darüber hinaus hat Kent Wanzek zum 1. Januar 2010 die neu geschaffene Position des Produktionsvorstands übernommen und steuert in dieser Funktion die weltweiten Produktionsaktivitäten von Fresenius Medical Care. Kent Wanzek ist bereits seit 1996 für das Unternehmen tätig.
Dr. Emanuele Gatti hat in Ergänzung zu seiner bisherigen Funktion als zuständiges Vorstandsmitglied für die Regionen Europa, Naher Osten, Afrika und Lateinamerika die Verantwortung für die Strategieentwicklung bei Fresenius Medical Care übernommen. Sein Vertrag wurde verlängert.
Für die weiterhin erfolgreiche Entwicklung in der Region Asien-Pazifik wird der verantwortliche Vorstand Roberto Fusté auch in Zukunft zuständig sein.
Die Bereiche Recht, Compliance, Corporate Governance und Intellectual Property werden wie bisher von Dr. Rainer Runte geführt, dessen Vertrag ebenfalls verlängert wurde. Er verantwortet seit dem Berichtsjahr zusätzlich den Bereich Personal in Deutschland als Arbeitsdirektor und betreut die Umsetzung der Projekte im Bereich Business Development.
Weitere Informationen zum Vorstand von Fresenius Medical Care erhalten Sie hier.
Fazit
Im Geschäftsjahr 2010 sind keine weiteren wesentlichen Ereignisse eingetreten, die das operative Geschäft oder die rechtliche Struktur von Fresenius Medical Care wesentlich beeinflusst haben. Fresenius Medical Care hat seine außerordentlich positive Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr fortgesetzt und weist für das Berichtsjahr neue Rekordwerte bei Umsatz und Ertrag aus. Dazu haben alle Regionen und Segmente beigetragen.
Im Geschäftsjahr 2011 wurde in unserem größten Absatzmarkt, den USA, ein neues Vergütungssystem für die Dialyse eingeführt. Es betrifft die Dialysebehandlung staatlich versicherter Patienten. Die Versorgung von mehr als 80% aller US-amerikanischen Dialysepatienten wird staatlich finanziert, sodass Änderungen bei der Kostenerstattung eine besondere Bedeutung für unser nordamerikanisches Geschäft haben. Die Auswirkungen dieser neuen Vergütungsstruktur können wir für 2011 nur teilweise kompensieren; allerdings sind wir als vertikal integrierter Anbieter zuversichtlich, auf die veränderte Situation reagieren zu können.
Behandlungsmethode, bei der das Peritoneum (Bauchfell), das die Innenwand der Bauchhöhle auskleidet und die inneren Organe bedeckt, als Dialysemembran dient. Durch einen operativ eingesetzten Katheter wird sterile Dialyselösung in die Bauchhöhle eingebracht und wieder abgeführt, um Toxine (Schadstoffe) aufzunehmen und zusammen mit überschüssigem Wasser zu entfernen. Die meisten Behandlungen werden vom Patienten selbst zu Hause oder am Arbeitsplatz mehrmals am Tag oder in der Nacht mittels einer Maschine, des Cyclers, durchgeführt.
Behandlungsmethode für Dialysepatienten, bei der das Blut des Patienten durch Blutschläuche aus Kunststoff in einen speziellen Filter, den Dialysator, fließt. Im Dialysator gelangen die Stoffwechselendprodukte und der Flüssigkeitsüberschuss aus dem Blut in die Dialyselösung. Das gereinigte Blut wird dem Patienten wieder zugeführt. Der Prozess wird durch eine Hämodialysemaschine gesteuert, die Blut pumpt, gerinnungshemmende Mittel zusetzt, den Reinigungsprozess reguliert sowie die Mischung der Dialyselösung und ihre Fließgeschwindigkeit durch das System steuert. Normalerweise erhält ein Patient drei Behandlungen pro Woche, die je drei bis sechs Stunden dauern.