Dialysemarkt
Den Wert des weltweiten Dialysemarktes schätzen wir für das Jahr 2010 auf rund 69 MRD US $; das entspricht währungsbereinigt einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 4%. Wir gehen davon aus, dass sich dieses Marktvolumen in etwa wie folgt zusammensetzt: Dialyseprodukte mit einem Umsatz von rund 11,7 MRD US $ und Dialysedienstleistungen (inklusive Dialysemedikamente) mit circa 57 MRD US $ Umsatz. Detaillierte Informationen zur Datenbasis finden Sie im Abschnitt „Erhebung und Analyse von Marktdaten“.
Dialyseprodukte
Zu den wichtigsten Dialyseprodukten zählen Dialysatoren, Maschinen für die Hämodialyse, Konzentrate und Dialyselösungen sowie Produkte für die Peritonealdialyse; siehe auch Glossar. Der weltweite Marktanteil der drei größten Hersteller von Dialyseprodukten lag im Jahr 2010 insgesamt bei circa 67%, gemessen am Umsatz. Fresenius Medical Care kam auf einen Anteil von rund 33% und war damit Marktführer, gefolgt von Baxter und Gambro. Der Marktanteil der restlichen, mehrheitlich japanischen Anbieter für Dialyseprodukte lag jeweils im einstelligen Prozentbereich.
MARKTPOSITION BEI WESENTLICHEN PRODUKTGRUPPEN 2010 |
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|---|---|---|---|
Fresenius Medical Care |
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Position 1 |
Position 2 |
Position 3 |
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| Quelle: Basierend auf Unternehmensangaben und Schätzungen. | |||
| Dialysatoren | Fresenius Medical Care |
Gambro | Nipro |
| Dialysemaschinen | Fresenius Medical Care |
Gambro | Nikkiso |
| Konzentrate für die Hämodialyse | Fresenius Medical Care |
Fuso | Gambro |
| Blutschlauchsysteme | Fresenius Medical Care |
Gambro | Kawasumi |
| Produkte für die Peritonealdialyse | Baxter | Fresenius Medical Care |
Gambro |
Dialysatoren bilden die größte Produktgruppe im Dialysemarkt; das weltweite Absatzvolumen belief sich 2010 auf rund 203 MIO Stück. Ungefähr 92 MIO und damit fast die Hälfte kamen von Fresenius Medical Care – damit hielten wir mit weitem Abstand den größten Marktanteil. Je nach Material der Dialysemembran lassen sich Dialysatoren grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: zellulosebasierte und synthetische, also kunststoffbasierte Dialysatoren. Circa 90% der weltweit eingesetzten Dialysatoren haben eine synthetische Membran. Mit der Entwicklung der leistungsstarken Faser Polysulfon (siehe Glossar) hat Fresenius Medical Care Pionierarbeit für die Weiterentwicklung und Produktion von Dialysatoren geleistet und neue Maßstäbe in der Dialyse gesetzt.
Dialysemaschinen sind ein weiteres wichtiges Segment in unserem Produktgeschäft, und auch hier sind wir mit weitem Abstand Marktführer. Von den etwa 69.000 Dialysemaschinen, die im Jahr 2010 verkauft wurden, stammen rund 55% von Fresenius Medical Care.
In den USA, unserer wichtigsten Geschäftsregion, belief sich 2010 der Marktanteil von Fresenius Medical Care bei Dialysatoren und Dialysemaschinen im sogenannten unabhängigen Markt auf über 80%. Als unabhängigen Markt definieren wir alle Dialysekliniken, die nicht von den größeren Dialysedienstleistungsunternehmen Fresenius Medical Care oder DaVita betrieben werden. Im Berichtsjahr stammten gut 85% der Dialysegeräte, die insgesamt in den USA in Dialysekliniken installiert sind, von Fresenius Medical Care. Beim Erwerb neuer Geräte fiel die Wahl dieser Kunden sogar zu über 90% auf unsere Produkte. Unser Gerät 2008K ist dabei das dominierende Dialysesystem in den USA: Über 100.000 Einheiten sind dort mittlerweile im Einsatz. Auch bei den Dialysatoren blicken wir auf eine positive Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr zurück: Mit mehr als 35 MIO verkauften Dialysatoren haben wir in den USA einen Absatzrekord erzielt.


Im Berichtsjahr war China nach den USA unser zweitgrößter Absatzmarkt für neu verkaufte Hämodialysegeräte; 2010 haben wir mehr als 3.800 Geräte dorthin geliefert. Mittlerweile stammt mit über 48% schon fast die Hälfte der Hämodialysegeräte, die in China im Einsatz sind, von Fresenius Medical Care. Mit einer aktuellen Wachstumsrate im Produktgeschäft von über 30% gewinnt China als Absatzmarkt für Fresenius Medical Care weiter an Bedeutung. Dort gibt es zahlreiche Bestrebungen vonseiten der Regierung, ein modernes Gesundheitssystem mit entsprechenden Vergütungsstrukturen aufzubauen – eine entscheidende Voraussetzung für eine Öffnung des Marktes auch für die Dialysedienstleistungen internationaler Anbieter.
Bei der Peritonealdialyse verfügen wir über einen weltweiten Marktanteil, gemessen am Umsatz, von 17%. In den USA belief sich unser Marktanteil auf 26%. Derzeitiger Marktführer in der Peritonealdialyse ist das US-amerikanische Unternehmen Baxter. Weitere Informationen zu unserer Position im Markt für Heimdialyse, die sowohl die Heim-Hämodialyse als auch die Peritonealdialyse umfasst, finden Sie im Abschnitt „Heimdialyse“.
Im August 2010 hat Fresenius Medical Care einen verbindlichen Rahmenvertrag zur Übernahme des globalen Peritonealdialyse-Geschäfts von Gambro unterzeichnet und die Übernahme noch am Ende des Berichtsjahres abgeschlossen. Mit dieser Akquisition will Fresenius Medical Care seine Aktivitäten im Bereich der Heimdialyse stärken, vor allem in Europa und der Region Asien-Pazifik. Würde man die Umsätze von Gambro bereits vollständig berücksichtigen, hätten sich die Marktanteile von Fresenius Medical Care bei Peritonealdialyse-Produkten von 17% im Jahr 2009 auf 19% im Berichtsjahr erhöht; siehe auch Grafik 2.1.13.
Dialysedienstleistungen
Dialysedienstleistungen sind Dialysebehandlungen, die von spezialisierten Ärzten und Pflegepersonal betreut werden. In der Regel erhalten Nierenpatienten eine solche Behandlung in Kliniken oder Dialysezentren, die sie mehrmals pro Woche für mehrere Stunden aufsuchen – entweder am Tag oder über Nacht zur Behandlung während sie schlafen. Weitere Möglichkeiten der Behandlung sind die Heimdialyse, die ein Patient nach fachkundiger Anleitung und mit dem nötigen Zubehör meist selbstständig zu Hause durchführt, oder die Dialyse auf Urlaubsreisen – zum Beispiel auf einem Kreuzfahrtschiff oder am Ferienort; auch dafür bietet Fresenius Medical Care seine Serviceleistungen an. Den weitaus größten Teil der Dialysedienstleistungen aber macht die klassische Behandlung in Kliniken oder Zentren aus.
Die meisten Dialysepatienten wurden im vergangenen Jahr in einem von rund 29.000 Dialysezentren weltweit versorgt, durchschnittlich etwa 70 Patienten pro Zentrum. Je nachdem, ob die Gesundheitssysteme in den einzelnen Ländern eher staatlich oder eher privatwirtschaftlich organisiert sind, unterscheidet sich auch die Organisation der Zentren erheblich: In den USA und der EU gibt es jeweils über 5.000 Dialysekliniken; doch während in den USA nur circa 1% der Patienten durch Kliniken in öffentlicher Trägerschaft versorgt werden, sind es in der EU rund 60%. In Japan dagegen spielen private Nephrologen (Spezialisten für Nierenheilkunde) eine wichtige Rolle; in den von ihnen betriebenen Dialysezentren werden etwa 80% der Dialysepatienten versorgt.
Fresenius Medical Care kann in einem Land eigene Therapiezentren betreiben, wenn das jeweilige Gesundheitssystem privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen als Anbieter von medizinischen Dienstleistungen zulässt und es eine entsprechende Vergütungsordnung gibt. Seit einigen Jahren stehen die Gesundheitssysteme vieler Länder unter Druck, die Gesundheitskosten bei möglichst verbesserter Behandlungsqualität so gering wie möglich zu halten, und überlegen daher, inwieweit spezialisierte private Träger sie dabei unterstützen können. Andere Länder wiederum bauen ihre Gesundheitssysteme gerade erst auf und suchen für die Entwicklung moderner Behandlungsstandards den Austausch mit Gesundheitsunternehmen, die sich durch die hohe Qualität ihres Leistungsportfolios bereits einen Namen gemacht haben. In beiden Fällen ist Fresenius Medical Care als erfahrener, vertikal integrierter Anbieter der richtige Partner: Die Qualität und der Innovationsgrad unserer Produkte und Dienstleistungen bieten uns die besten Voraussetzungen, um unsere Position im Dialysemarkt kontinuierlich auszubauen.
In den USA betreuen Fresenius Medical Care und der zweitgrößte Anbieter, DaVita, zusammengenommen etwa 65% aller Dialysepatienten; damit ist der Konzentrationsgrad bei den Dialysekliniken bereits relativ hoch. Im Berichtsjahr hat Fresenius Medical Care seine marktführende Position beibehalten und mit mehr als 134.000 Patienten circa 33% der Dialysepatienten in den USA behandelt. Außerhalb der USA ist das Dialysedienstleistungsgeschäft wesentlich stärker fragmentiert: Mit 955 Dialysekliniken und mehr als 80.500 Patienten in 36 Ländern betreibt Fresenius Medical Care das mit Abstand größte und internationalste Kliniknetz.
Insgesamt hat Fresenius Medical Care im Berichtszeitraum seine eindeutige Führungsposition weiter ausgebaut: 214.648 Dialysepatienten (2009: 195.651) wurden in 2.757 Kliniken (2009: 2.553) behandelt. Um seine Marktposition bei Dialysedienstleistungen im asiatisch-pazifischen Raum zu stärken, hat Fresenius Medical Care die Asia Renal Care Ltd. übernommen. Das Unternehmen war nach Fresenius Medical Care der zweitgrößte Dialysedienstleister in der Region; es behandelte zum Ende des Berichtsjahres rund 5.300 Patienten in etwa 80 Kliniken.

Branchenspezifische Rahmenbedingungen
Erhebung und Analyse von Marktdaten
Eine wichtige Voraussetzung für unseren unternehmerischen Erfolg sind verlässliche Informationen darüber, wie sich der Dialysemarkt und seine Rahmenbedingungen entwickeln – sowohl auf globaler als auch auf nationaler und regionaler Ebene. Dazu gehören aktuelle und künftig zu erwartende Patientenzahlen, gesellschaftliche und medizinische Trends sowie die Position unserer Wettbewerber. Um repräsentative Marktinformationen zu ermitteln und zu verwalten, hat Fresenius Medical Care ein eigenes Instrument entwickelt: den MCS (Market&Competitor Survey), zu Deutsch „Markt- und Wettbewerber-Studie“. Die amerikanische Zeitschrift „Nature Reviews Nephrology“ hat den MCS im vergangenen Jahr als Industriestandard ausgezeichnet. Der MCS dient dazu, relevante Daten zum Dialysemarkt und zum Wettbewerb zu sammeln, zu analysieren und dann im Unternehmen weltweit zu verteilen und zu verwerten. Dazu fragen wir in den einzelnen Ländern Daten zur Zahl der Dialysepatienten, zur gewählten Behandlungsmethode, den verwendeten Produkten, dem Ort der Behandlung sowie der Struktur der Anbieter von Dienstleistungen ab. Die Daten werden dann mit offiziellen Angaben nationaler Verbände und den Ergebnissen vergangener Umfragen abgeglichen, um Aussagen über die Anzahl von Patienten und den Wert von Märkten sowohl weltweit als auch für einzelne Regionen treffen zu können. Gemeinsam mit öffentlich zugänglichen Daten unserer Mitbewerber nutzen wir die Ergebnisse zum einen als Grundlage für strategische Entscheidungen der Unternehmensleitung, der Forschung und Entwicklung oder des Marketings; zum anderen dienen die Ergebnisse der jährlichen Erhebung als Grundlage für unsere externe Berichterstattung, etwa im Rahmen des Geschäftsberichts. Wenn nicht anders angegeben, basieren die Daten in diesem Kapitel auf Schätzungen auf der Grundlage des MCS. Durch die regelmäßige Anpassung unserer Erhebung tragen wir aktuellen Trends Rechnung, beispielsweise Veränderungen in der Nutzung bestimmter Behandlungsmethoden, aber auch in der Wettbewerbskonstellation, zum Beispiel durch neu auftretende Anbieter.
Fresenius Medical Care erhebt aus gutem Grund Marktinformationen mit seinem eigenen System: Zwar veröffentlichen anerkannte Organisationen vieler Länder Daten zu terminalem Nierenversagen, zur Demografie der Patienten und zu wichtigen Trends, doch sind diese Daten weder zeitnah verfügbar noch verlässlich oder detailliert genug, um aus ihnen ein vollständiges, aktuelles Bild der Patientenzahlen weltweit ableiten zu können. Außerdem werden dort – anders als beim MCS – keine Zahlen zur Nutzung von Dialyseprodukten wie etwa Dialysatoren oder Lösungen für die Peritonealdialyse erfasst.
Die Ergebnisse des MCS sind außerdem Teil eines Modells, mit dem wir Entwicklungen im weltweiten Dialysemarkt untersuchen. Der Gesamtmarkt wird über die Vergütungssätze in den einzelnen Ländern dargestellt. Hierbei berücksichtigen wir, welche Produkte und Leistungen über die Vergütungssätze abgegolten sind. Leistungen, die außerhalb der Erstattungen vergütet werden, werden zugerechnet. Darüber hinaus werden neben den Informationen des Produktmarktes auch Werte für Dialysedienstleistungen und den Pharmamarkt ermittelt und analysiert. Weitere Informationen zum MCS erhalten Sie im Geschäftsbericht 2009.
Patienten
Chronisches Nierenversagen ist ein weltweites Leiden: Zum Ende des Jahres 2010 wurden circa 2,621 MIO Patienten behandelt. Rund 2,029 MIO von ihnen in mehr als 145 Ländern erhielten eine Nierenersatztherapie in Form der Dialyse. Etwa 592.000 Nierenpatienten leben mit einer transplantierten Niere. Von den 2,029 MIO Patienten weltweit, die zum Jahresende 2010 regelmäßig eine Dialysebehandlung erhielten, wurden ca. 20% in den USA, 16% in der EU und 15% in Japan betreut. Die verbleibenden 49% aller Dialysepatienten verteilten sich auf 120 Staaten in unterschiedlichen Regionen der Welt. Die Zahl der Dialysepatienten weltweit stieg im Jahr 2010 um ca. 7%, allerdings sind die regionalen Unterschiede nach wie vor erheblich.
Die Patientenzahlen der einzelnen Länder können anhand der Prävalenz, also der Krankheitshäufigkeit, miteinander verglichen werden. Die Prävalenz ist in diesem Fall die relative Zahl der Menschen, die in einem Land wegen terminaler Niereninsuffizienz behandelt werden; sie hat im Ländervergleich eine große Schwankungsbreite: von weit unter 100 bis über 2.000 Patienten pro MIO Einwohner (P.M.E.). Die höchste Prävalenz mit einem Wert von 2.700 P.M.E. weist Taiwan auf, gefolgt von Japan mit rund 2.490 P.M.E. und den USA mit rund 1.890 P.M.E. Der Durchschnitt in den 27 Ländern der EU liegt bei rund 1.030 P.M.E.. Dabei hat sich die Prävalenz in den letzten 10 Jahren stetig erhöht. Weltweit liegt die durchschnittliche Prävalenz bei rund 380 P.M.E. – deutlich niedriger als in den oben genannten Ländern. Das hat mehrere Gründe:
- Die Länder unterscheiden sich in ihrer Demografie, weil die Altersstrukturen der Bevölkerung weltweit variieren.
- Risikofaktoren für Nierenerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sind unterschiedlich stark verbreitet.
- Die Wahrscheinlichkeit, aus erblichen Gründen an der Niere zu erkranken – auch „genetische Disposition“ genannt – ist weltweit ebenfalls unterschiedlich stark ausgeprägt.
- Kulturelle Unterschiede wie die Ernährung spielen eine Rolle.
- Der Zugang zu Dialysebehandlungen ist in vielen Ländern weiterhin begrenzt, sodass eine Vielzahl von Menschen mit terminaler Niereninsuffizienz nicht behandelt – und somit auch nicht in der P.M.E.-Kalkulation erfasst werden können.
DIALYSEPATIENTEN REGIONALE ENTWICKLUNG |
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|---|---|---|
2010 |
Veränderung |
|
| Quelle: Basierend auf Unternehmensangaben und Schätzungen. | ||
| Nordamerika | 492.000 | ~ 5% |
| USA | 402.000 | ~ 4% |
| Europa/Naher Osten/Afrika | 573.000 | ~ 5% |
| EU | 322.000 | ~ 3% |
| Asien-Pazifik | 750.000 | ~ 10% |
| Japan | 301.000 | ~ 3% |
| Lateinamerika | 215.000 | ~ 7% |
WELTWEIT |
2.029.000 | ~ 7% |
Ein Vergleich der Wirtschaftskraft der Länder – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – mit deren Prävalenzwerten lässt vermuten, dass wirtschaftliche Faktoren nicht nur die demografische Entwicklung beeinflussen, sondern auch die Behandlungsmöglichkeiten für Nierenpatienten: Vor allem in Ländern mit einem jährlichen BIP pro Kopf von weniger als 10.000 US $ ist zu beobachten, dass nicht jeder Erkrankte Zugang zu einer Behandlung hat. Dagegen ist in Ländern, in denen das BIP über diesem Wert liegt, keine Wechselbeziehung zwischen Wirtschaftskraft und Prävalenz zu erkennen. Die steigende weltweite Prävalenz zeigt aber, dass bezogen auf die Gesamtbevölkerung im Laufe der Jahre immer mehr Menschen eine Nierenersatztherapie erhalten.
In den USA, in Japan sowie in West- und Mitteleuropa verzeichneten wir 2010 unterdurchschnittliche Zuwachsraten bei der Zahl der Patienten. In diesen Regionen ist die Prävalenz bereits relativ hoch und der Zugang zu einer entsprechenden Behandlung, zumeist der Dialyse, sichergestellt. In ökonomisch schwächeren Regionen dagegen sind die Wachstumsraten überdurchschnittlich und erreichten teilweise zweistellige Werte – ein Hinweis darauf, dass der Zugang zur Dialysebehandlung in diesen Ländern derzeit noch beschränkt ist und schrittweise verbessert wird. Neben einem leichteren Zugang zur Dialyse und damit der genaueren Erfassung der Patienten führen jedoch auch weitere Faktoren zum Anstieg der weltweiten Prävalenz, etwa die zunehmende Verbreitung der nierenschädigenden Krankheiten Diabetes und Bluthochdruck sowie die allgemeine Alterung der Weltbevölkerung durch den wachsenden medizinischen Fortschritt.
Behandlungsmethoden
In der Dialyse unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Behandlungsverfahren: der Hämodialyse (HD) und der Peritonealdialyse (PD). Gesteuert durch eine Hämodialyse-Maschine wird bei der HD das Blut eines Patienten durch Schläuche aus Kunststoff in einen speziellen Filter, den Dialysator, geleitet und nach der Reinigung wieder dem Körper des Patienten zugeführt. Bei der PD wird das Bauchfell (Peritoneum) eines Patienten als filternde Membran genutzt. Eine ausführlichere Beschreibung von HD und PD finden Sie im Glossar. Die beiden Verfahren sind nicht für alle Patienten gleichermaßen geeignet: Da die PD in der Regel vom Patienten selbst durchgeführt wird, erfordert sie ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Außerdem ist das Bauchfell eines Menschen nur für eine begrenzte Zeit als Membran nutzbar, idealerweise dann, wenn noch eine Restfunktion der Niere gegeben ist.
Von den 2,029 MIO Patienten, die zum Jahresende 2010 eine Dialysebehandlung erhielten, wurden 1,810 MIO – das sind über 89% – mittels der HD und circa 219.000 mittels der PD behandelt. Im weltweiten Vergleich der Behandlungsmethoden dominiert somit die HD deutlich. In der Gruppe der 15 Länder, in denen zusammengenommen mehr als drei Viertel aller Dialysepatienten leben, ist die HD in jedem einzelnen Land – mit Ausnahme von Mexiko – das vorherrschende Behandlungsverfahren.
Die dritte mögliche Behandlung von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz ist die Transplantation. Circa 592.000 Patienten lebten zum Jahresende 2010 mit einer transplantierten Niere. Allerdings ist die Zahl der verfügbaren Spenderorgane weltweit seit Jahren deutlich geringer als die Zahl der Patienten, die auf den Wartelisten für eine Transplantation stehen; weniger als ein Viertel der Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz leben deshalb mit einem Spenderorgan. Trotz anhaltender und umfangreicher Bemühungen regionaler Initiativen, das Bewusstsein und die Bereitschaft für eine Nierenspende zu erhöhen, hat sich der Anteil der Transplantationen an den Behandlungsmethoden in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich verändert.
PATIENTEN MIT CHRONISCHEM NIERENVERSAGEN |
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|---|---|
in MIO |
|
| Quelle: Basierend auf Unternehmensangaben und Schätzungen. | |
| Patienten mit chronischem Nierenversagen | 2,621 |
| davon Dialyse | 2,029 |
| Hämodialyse (HD) | 1,810 |
| Peritonealdialyse (PD) | 0,219 |
| davon Patienten mit Transplantaten | 0,592 |
Kunden
Die wichtigsten Kunden von Fresenius Medical Care sind staatliche oder öffentliche Krankenversicherungen, privatwirtschaftlich organisierte Krankenversicherungen und Unternehmen. Der größte private Kunde – und zugleich der weltweit nach Fresenius Medical Care zweitgrößte Anbieter im Dialysedienstleistungssektor – ist das US-amerikanische Unternehmen DaVita.
Gesundheits- und Vergütungssysteme
Da die Nierenersatztherapie eine lebensnotwendige medizinische Dienstleistung ist, werden die Kosten der Dialyse in der Regel nicht vom Patienten selbst getragen, sondern von dem Gesundheitssystem, das für ihn zuständig ist. Die Vergütungssysteme für Dialysebehandlungen – also die Struktur, nach der ein Gesundheitssystem die Kostenerstattung für Dialysedienstleistungen vorsieht – unterscheiden sich dabei von Land zu Land; oft variieren sie sogar innerhalb eines Landes. Kriterien bei der Vergütung sind zum Beispiel regionale Bedingungen, die Behandlungsmethode, regulative Aspekte oder der Status des Dialysedienstleisters (öffentlich oder privat). Fresenius Medical Care ist in mehr als 35 Ländern mit unterschiedlichen Gesundheitssystemen und Vergütungsstrukturen als Anbieter von Dialysedienstleistungen aktiv. Dank dieser internationalen Erfahrung sind wir in der Lage, die nationalen Gesundheitssysteme dabei zu unterstützen, passende Vergütungsstrukturen zu schaffen, unser Geschäft den lokalen Gegebenheiten anzupassen und dabei gewinnbringend zu handeln.
Im Mittelpunkt der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion steht in einigen Ländern eine Vergütung nach qualitativen Kriterien. Ziel eines solchen Vergütungsmodells ist eine hohe Behandlungsqualität bei insgesamt geringeren Gesamtkosten für die Behandlung eines Dialysepatienten. Welche Chancen eine an ganzheitlicher Qualität ausgerichtete Vergütung für Fresenius Medical Care als vertikal integriertes Unternehmen bietet, zeigt das Beispiel Portugal. In Portugal behandelt Fresenius Medical Care mehr als 4.300 Patienten in 34 Dialysezentren. Anfang 2008 einigten sich das Gesundheitsministerium und die nationale Vereinigung der privat betriebenen Dialysezentren auf eine neue, qualitätsorientierte Pauschalvergütung für die ambulante Versorgung von Hämodialyse-Patienten. Anstatt wie zuvor die Kosten einzelner Dialysedienstleistungen und -produkte zu erstatten, wurden diese zum Teil gebündelt, um eine umfassende Versorgung der Patienten, Qualitätsverbesserungen und eine Effizienzsteigerung des Gesundheitssystems bei der Dialyse zu erreichen. Im neuen Modell deckt die fixe Vergütung pro Patient und Woche alle notwendigen Dienstleistungen und den Einsatz von Dialyseprodukten ab. Voraussetzung ist, dass bestimmte Behandlungsergebnisse erzielt und qualitative Parameter eingehalten werden. Unsere Erfahrung im vergangenen Jahr belegt: Fresenius Medical Care bringt aufgrund seines hohen Qualitätsanspruchs und seiner etablierten Methoden zur Überwachung von Therapieergebnissen beste Voraussetzungen mit, um die Anforderungen des neuen Systems zu erfüllen. Für Fresenius Medical Care bedeutet die Reform, dass die Vergütungsrate mit den neu eingeschlossenen Leistungen um rund 50% gestiegen ist. Außerdem sehen wir den erfolgreichen Start des Pauschalsystems in Portugal als Bestätigung unseres ganzheitlichen, qualitätsorientierten Ansatzes.
Eine vergleichbare Vergütungsstruktur wie in Portugal wurde nun auch in einem Teil Spaniens eingeführt: Fresenius Medical Care hat mit den Gesundheitsbehörden der spanischen Region Murcia eine Kooperationsvereinbarung zur Komplettversorgung von Dialysepatienten geschlossen. Die Vereinbarung ist ab Mitte des Jahres 2011 gültig und sieht vor, dass wir rund 200 Dialysepatienten in der Region behandeln und dafür mit qualitätsabhängigen Pauschalen bezahlt werden. Murcia ist die erste Region Spaniens, die ein solches Vergütungsmodell einführt. Bisher haben wir Patienten in dieser Region mit Dialysebehandlungen und -produkten auf Basis einer variablen Einzelvergütung je Behandlung (fee for service) versorgt. In Spanien behandeln wir derzeit mehr als 5.500 Patienten in 64 Dialysezentren.
Im Januar 2011 wurde auch in unserem größten Absatzmarkt – den USA – ein neues Pauschalvergütungssystem für die Dialyse eingeführt; es betrifft die Dialysebehandlung staatlich versicherter Patienten (Medicare-Patienten). Der entsprechende Gesetzentwurf wurde im Juli 2008 verabschiedet; im Juli 2010 veröffentlichte die Behörde des staatlichen Gesundheitsfürsorgeprogramms in den USA (Centers for Medicare and Medicaid Services, CMS) ihren finalen Bericht mit den entsprechenden Umsetzungsrichtlinien. Alle Produkte und Dienstleistungen, die derzeit gemäß dem Basis-Erstattungssatz (der sogenannten Composite Rate) vergütet werden, sowie bislang separat erstattete Leistungen – wie die Verabreichung bestimmter intravenös verabreichter Medikamente und die Durchführung von diagnostischen Labortests – werden künftig mit einem Pauschalbetrag erstattet. Dieser „gebündelte“ Erstattungssatz (englisch: „bundling“) wird an Merkmale der einzelnen Patienten, etwa Alter und Gewicht, angepasst unter Berücksichtigung von Angleichungen für Patienten, deren außergewöhnliche medizinisch notwendige Versorgung hohe Kosten verursacht. Ein weiteres besonderes Merkmal des neuen Erstattungssystems ist neben einem Inflationsausgleich ab dem Jahr 2012 die Orientierung an bestimmten Qualitätsparametern. Beispielsweise wird für Dialysekliniken, die bestimmte Kriterien nicht erfüllen, der Erstattungssatz ab dem Jahr 2012 gekürzt. Qualitätsparameter betreffen unter anderem die Patientenzufriedenheit, die Steuerung des Hämoglobin-Gehalts des Blutes (Anämie-Management) und den Mineralstoffwechsel der Knochen. Im Vorgriff auf das neue Erstattungssystem wurde der Basis-Erstattungssatz 2009 sowie 2010 um jeweils 1% erhöht.
Terminales Nierenversagen ist eine der wenigen chronischen Erkrankungen, deren Behandlung in den USA von der staatlichen Gesundheitsfürsorge erstattet wird. Die Versorgung von mehr als 85% aller USamerikanischen Dialysepatienten wird zumeist von Medicare und Medicaid finanziert, den beiden US-amerikanischen Gesundheitsfürsorgeprogrammen für die medizinische Versorgung von Senioren und einkommensschwachen Menschen ohne privaten Krankenversicherungsschutz. Änderungen bei der Kostenerstattung von Medicare und Medicaid haben daher eine besondere Bedeutung für unser nordamerikanisches Geschäft. Fresenius Medical Care sieht sich mit seinem vertikalen Geschäftsmodell für das neue System gut gerüstet. Weitere Informationen zu den Neuerungen des Vergütungssystems in den USA finden Sie auch im Magazin 2010
Behandlungsmethode, bei der das Peritoneum (Bauchfell), das die Innenwand der Bauchhöhle auskleidet und die inneren Organe bedeckt, als Dialysemembran dient. Durch einen operativ eingesetzten Katheter wird sterile Dialyselösung in die Bauchhöhle eingebracht und wieder abgeführt, um Toxine (Schadstoffe) aufzunehmen und zusammen mit überschüssigem Wasser zu entfernen. Die meisten Behandlungen werden vom Patienten selbst zu Hause oder am Arbeitsplatz mehrmals am Tag oder in der Nacht mittels einer Maschine, des Cyclers, durchgeführt.
Behandlungsmethode für Dialysepatienten, bei der das Blut des Patienten durch Blutschläuche aus Kunststoff in einen speziellen Filter, den Dialysator, fließt. Im Dialysator gelangen die Stoffwechselendprodukte und der Flüssigkeitsüberschuss aus dem Blut in die Dialyselösung. Das gereinigte Blut wird dem Patienten wieder zugeführt. Der Prozess wird durch eine Hämodialysemaschine gesteuert, die Blut pumpt, gerinnungshemmende Mittel zusetzt, den Reinigungsprozess reguliert sowie die Mischung der Dialyselösung und ihre Fließgeschwindigkeit durch das System steuert. Normalerweise erhält ein Patient drei Behandlungen pro Woche, die je drei bis sechs Stunden dauern.