Wirtschaftliches Umfeld
Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2010 weltweit um 4,8%, nach einem Minus von 0,9% im Vorjahr. Impulsgeber für die dynamische Entwicklung im ersten Halbjahr 2010 waren die expansive Geld- und Fiskalpolitik einiger Länder sowie der sich ausweitende Welthandel. Zu Letzterem trugen vor allem die Schwellenländer bei, deren Volkswirtschaften am stärksten wuchsen. Für die Abschwächung des Aufschwungs in der zweiten Jahreshälfte waren insbesondere die in der Finanzkrise deutlich gewordenen Strukturprobleme – beispielsweise der GIPS-Staaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien – verantwortlich. Sie führten zu einer angespannten Situation an den Finanzmärkten und zunehmend volatilen Wechselkursen.
REALES BRUTTOINLANDSPRODUKT UND VERBRAUCHERPREISE |
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Veränderung gegenüber dem Vorjahr in % |
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Bruttoinlandsprodukt |
Verbraucherpreise |
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2010 |
2009 |
2010 |
2009 |
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| Quelle: Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel „Weltkonjunktur im Winter 2010" 15. Dezember 2010. | |||||
| USA | 2,8 | – 2,6 | 1,6 | – 0,3 | |
| Deutschland | 3,7 | – 4,7 | 1,1 | 0,2 | |
| Euro-Raum | 1,7 | – 4,1 | 1,5 | 0,3 | |
| Großbritannien | 1,7 | – 4,9 | 3,2 | 2,1 | |
| Neue EU-Mitgliedsländer | 1,8 | – 4,0 | 1,7 | 3,3 | |
| EU 27 | 1,8 | – 4,0 | 1,8 | 0,7 | |
| Russland | 3,8 | – 7,9 | 6,9 | 11,7 | |
| Japan | 3,3 | – 5,2 | – 0,8 | – 1,4 | |
| China | 10,7 | 8,6 | 3,4 | – 0,7 | |
| Ostasien und Hongkong | 7,4 | 0,0 | 3,0 | 1,8 | |
| Lateinamerika | 5,9 | – 2,1 | 6,6 | 6,5 | |
WELTWEIT |
4,8 | – 0,9 | 4,4 | 3,1 | |
USA
Nach einem guten Start ins Jahr 2010 kam die wirtschaftliche Expansion in den USA in der zweiten Jahreshälfte deutlich langsamer voran. Ursachen für den verhaltenen Wachstumsverlauf waren die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und die niedrigen Immobilienpreise: Mit den sinkenden Budgets der Privathaushalte ging der private Konsum zurück und schließlich auch der Außenhandel. Die niedrigen Immobilienpreise verstärkten diesen Effekt noch.
Europa
Im gesamten Euro-Raum verlief die wirtschaftliche Erholung 2010 eher zurückhaltend. Positive Impulse verzeichneten der Export, die Investitionstätigkeit und der Konsum. In den einzelnen Regionen entwickelte sich die Wirtschaft sehr unterschiedlich: In Deutschland wuchs das BIP im innereuropäischen Vergleich überdurchschnittlich. Länder mit hohen Staatsdefiziten, die zudem von geplatzten Immobilienpreisblasen betroffen waren, wiesen die niedrigsten Wachstumsraten auf; hierzu zählten vor allem die GIPS-Staaten.
Asien
Asien verbuchte 2010 den stärksten Aufschwung aller Weltregionen, weil die Exporte und vor allem die Bauinvestitionen stark stiegen und zugleich der private Konsum zunahm. Starke Zuwächse verzeichneten insbesondere China, Indien und ostasiatische Schwellenländer wie Taiwan und Singapur. In Japan kam die konjunkturelle Entwicklung im Jahresverlauf leicht ins Stocken.
Lateinamerika
Lateinamerika erlebte in der ersten Jahreshälfte 2010 einen besonders starken Aufschwung, der sich aber in der zweiten Jahreshälfte nicht mit dem gleichen Tempo fortsetzte. Der Hauptgrund dafür war die weltweite konjunkturelle Abschwächung, speziell die geringere Nachfrage aus den USA und China und die auslaufenden staatlichen Konjunkturprogramme.
Energie- und Rohstoffpreisentwicklung
Die Kosten für Energie und Rohstoffe zogen im Jahr 2010 wieder erheblich an. Dadurch erhöhten sich für viele Unternehmen die Produktionskosten und das Unternehmensergebnis sank, wenngleich in weniger starkem Maße. Für Fresenius Medical Care gilt, dass eine Erhöhung der Transport- und Energiekosten um 1% das Ergebnis nach Steuern um ca. 0,3% reduziert. Fresenius Medical Care schließt langfristige Lieferverträge ab, um die Folgen starker Preiserhöhungen auf das eigene Unternehmensergebnis abzumildern.
Wechselkursentwicklung
Schon im Vorjahr waren die Wechselkurse großen Schwankungen unterworfen gewesen; diese hohe Volatilität setzte sich 2010 fort. Zwar erholte sich der US-Dollar in der ersten Jahreshälfte von seiner Abwertung gegenüber anderen wichtigen Währungen, in der zweiten Jahreshälfte sank sein Kurs jedoch erneut. Zum Stichtag 31. Dezember 2010 lag der Wechselkurs US-Dollar/Euro bei 1,3377 und damit circa 7% unter dem Vorjahreswert von 1,4347; in der Jahresgesamtbetrachtung lag er durchschnittlich bei 1,3270, das entspricht einem Minus von circa 5% gegenüber dem durchschnittlichen Vorjahreswert von 1,3940.
Für Fresenius Medical Care ist vor allem die Entwicklung der beiden Währungen US-Dollar und Euro zueinander entscheidend, weil wir einen Großteil unserer Umsätze in den USA und in der Euro-Zone erwirtschaften. Eine Aufwertung des Euro ist aus bilanzieller Sicht vorteilhaft, da wir in US-Dollar berichten und sich rechnerisch somit ein höherer Wert der in Euro erzielten Bilanzwerte ergibt (Translationseffekt).
Mit unserem globalen Netz an Fertigungsstätten tragen wir dem Nachfragegefüge in unserem Geschäft mit Dialyseprodukten Rechnung: Unsere Produktionsstätten sind zu einem großen Teil in den Märkten angesiedelt, die sie bedienen; Kosten fallen demnach in der gleichen Währung an, in der wir unseren Umsatz generieren. So sind wir von langfristigen Währungsschwankungen weitgehend unabhängig und minimieren unsere Transaktionsrisiken, also unsere Risiken durch Fremdwährungspositionen oder schwankende Wechselkurse. Im Dienstleistungsgeschäft ist das Risiko noch geringer, da wir die Leistungen vor Ort und damit in der jeweiligen Landeswährung erbringen. Da dies den größeren Geschäftsbereich von Fresenius Medical Care betrifft, ist das Währungsrisiko insgesamt als minimal einzustufen.
Das Geschäft von Fresenius Medical Care ist durch die Volatilität der Wechselkurse – vor allem des Euro gegenüber dem US-Dollar sowie anderer Währungen an unseren verschiedenen Standorten weltweit gegenüber dem Euro – in der Regel kurzfristig beeinflusst. Für die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar im Geschäftsjahr 2010 waren vor allem zwei Gründe maßgeblich: die Erwartung der Marktteilnehmer hinsichtlich der künftigen Geld- und Finanzpolitik in den Vereinigten Staaten und die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung des Euro-Raums im Vergleich zu derjenigen in den USA. Die positiven Währungseffekte aus Warenbezügen in Euro gegenüber den lokalen Währungen relativierten sich zum einen durch den Negativeffekt aus der Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und zum anderen durch negative Effekte in einzelnen Ländern, etwa durch die Einstufung Venezuelas als Hochinflationsland. Die Sensitivitätsanalyse in Tabelle 2.1.9 zeigt, in welchem Ausmaß eine 10-prozentige Aufwertung verschiedener Währungen gegenüber dem US-Dollar unseren Umsatz beeinflusst.
SENSITIVITATSANALYSE |
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Um 10% ggü. dem US $ aufwertende Währung |
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Wirkung auf den Umsatz von Fresenius Medical Care 2010 |
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| Euro | ~ 1,5% | |
| Andere europäische Währungen | ~ 0,05% | |
| Renminbi und Hongkong-Dollar | ~ 0,02% | |
| Andere asiatische Währungen | ~ 0,02% | |
Weitere Informationen zum wirtschaftlichen Umfeld finden Sie im Abschnitt „Vergleich des tatsächlichen mit dem prognostizierten Geschäftsverlauf“ und im „Prognosebericht“.