
STANDORTPORTRAIT
Eine Dialysemaschine hat eine anspruchsvolle Aufgabe – und ein entsprechend komplexes Innenleben. Hinter diesem Innenleben steckt sehr häufig eine kleine Stadt in Unterfranken mit der größten Produktionsstätte für Dialysemaschinen weltweit: Schweinfurt. Das Markenzeichen von Fresenius Medical Care, die Erfahrung, findet sich auch hier, und zwar selbst im kleinsten Detail.
Wenn Kunden bei Fresenius Medical Care eine Dialysemaschine in Auftrag geben, stellt ein Mitarbeiter im Vertrieb die
Wunschvariante ganz individuell am Computerbildschirm zusammen. Denn jede Region der Welt hat ihre Besonderheiten und auch die Therapie muss genau auf die Patienten abgestimmt sein. Per Mausklick wählt der Vertriebsmitarbeiter deshalb im Auftrag des Kunden individuelle Voreinstellungen oder Zusatzmodule aus, vom ortsüblichen Stromstecker bis zur Gerätesoftware in der Landessprache. Tagtäglich treffen solche virtuellen Bestellzettel in großen Mengen im Schweinfurter Werk von Fresenius Medical Care ein. Damit beginnt der „Lebensweg“ jeder zweiten Dialysemaschine weltweit.






Schweinfurt am frühen Vormittag. Die Fabrikhalle ist lichtdurchflutet. Der Blick schweift über ein Meer von Dialysegeräten. Zu Dutzenden aufgereiht stehen sie an den einzelnen Produktionsetappen. Aus der Ferne wirken sie fast wie Roboter im Ruhemodus, an denen allerlei geschäftige Menschen konzentriert arbeiten. Dabei ist es auffallend still. Seit fünf Uhr morgens herrscht an diesem Tag schon reger Betrieb; ab dieser Uhrzeit gilt die Gleitzeit. Und ein Großteil der über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier im Werk startet gern früh in den Arbeitstag. Einige von ihnen sitzen konzentriert an hintereinander aufgestellten Montagebänken; sie ziehen weiße Plastik-
schläuche durch eine Lochwand. Überall schlängeln sich Schläuche. Experten erkennen in dem vermeintlichen Gewirr ein klares Schema, wie ein Modeschneider in einem Schnittmuster. „Das ist das Hydrauliksystem für unsere Geräteserie 4008“, sagt Werksleiter Dr. Christoph Sahm. „Je nach den Anforderungen unserer Kunden kann es in 50 verschiedenen Varianten zusammengebaut werden“. Wer an diesem Arbeitsplatz sitzt, hat diese Varianten alle im Kopf. „Nach ungefähr zwei Jahren hat man alles einmal gebaut“, sagt eine der Montagearbeiterinnen. Manche Dinge brauchen eben Erfahrung.







EIN SCHLAUCH, DER SICHERHEIT GIBT Das fachgerechte Anbringen der Schläuche ist alles andere als nebensächlich. Von diesen Schläuchen und von den mit ihnen verbundenen Pumpen und Ventilen hängt später die Sicherheit der Dialysebehandlung ab. Bis zu 120 Liter Blut werden während einer einzigen Behandlung von der Dialysemaschine durch einen Filter, den Dialysator, gepumpt. Er ist am Äußeren der Maschine angebracht und über Schlauchsysteme sowohl mit dem Blutkreislauf des Patienten als auch mit der Maschine verbunden. Das gesamte Blutvolumen des Patienten durchströmt während der Behandlung mehrmals den Dialysator. Zugleich bereitet das Dialysegerät aus Konzentrat und ultrareinem Wasser Dialysierflüssigkeit auf und befördert diese in entgegengesetzter Richtung durch den Dialysator, wo sie die Stoffe aufnimmt, die aus dem Blut herausgefiltert wurden.
Pro Minute strömt etwa ein halber Liter Dialyselösung durch das Dialysegerät, um diese herausgefilterten Stoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut des Patienten abzutransportieren – Wasser, das der Patient wegen seiner kranken Niere nicht wie ein gesunder Mensch mit dem Urin ausscheiden kann. Die Dialyselösung läuft durch die meterlangen verschlungenen Schläuche der Maschine, passiert in exakt dosierter Menge Ventile und Pumpen – fein aufeinander abgestimmte Bauteile, die ihre
Funktion auch beim millionsten Einsatz verlässlich erfüllen müssen. Oft sind die Geräte ein gutes Jahrzehnt lang im Dauerbetrieb. Das verlangt den Maschinen einiges ab – und damit denjenigen, die sie entwickeln und fertigen. Auch dabei hilft in Schweinfurt die Erfahrung.
VON BILANZEN UND BUDGETS Stolzes Zeugnis dieser Erfahrung ist eine Glasvitrine gleich neben dem Empfang, an der Werksleiter Christoph Sahm immer stoppt, wenn er Besuch durch das Werk führt. In diesem Schaukasten liegen die ersten Generationen verschiedener Bauteile von Dialysegeräten, kleine Pionierleistungen der Schweinfurter Dialysetechnologie. Im Vergleich zu ihren Nachfolgern aus der hochmodernen Produktionshalle muten sie fast antik an. Unter ihnen sind zwei nach innen gewölbte Kunststoffscheiben in einem dunklen Rot; Sahm nimmt sie in die Hand: „Diese Bilanzkammer ist eine unserer ersten, sie ist nun über 30 Jahre alt“, sagt er. „Und sie ist noch immer eine wichtige Komponente, auch in den modernsten Dialysegeräten von Fresenius Medical Care. Wir haben sie im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt und stellen sie noch immer selbst her.“ Auch woher der Name „Bilanzkammer“ kommt, weiß Sahm. „Das Modul regelt das bewegte Flüssigkeitsvolumen in der Maschine. Es ‚bilanziert’ damit auf der einen Seite die Menge an frischer Dialyselösung, die durch den Dialysator fließt und dort Schadstoffe aus dem Blut aufnimmt, und auf der anderen Seite das Volumen der gebrauchten Dialyselösung. Vereinfacht ausgedrückt stellt die Bilanzkammer sicher, dass die richtige Menge an Dialyselösung zum Filter und zurück ins Dialysegerät gepumpt wird – dass die ‚Bilanz’ nach der Behandlung also stimmt.“