02.3

Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren

BESCHAFFUNG UND LOGISTIK

Die Beschaffung von hochwertigen Rohstoffen und Halbfertigprodukten sowie die rechtzeitige Auslieferung unserer Erzeugnisse an Kunden - Patienten, Dialysekliniken und Krankenhäuser - zählen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren von Fresenius Medical Care. Natürlich werden die Produkte während der Fertigung ständig geprüft und die Herstellungsprozesse genau überwacht. Aber: Die gewünschte Endqualität ist nur dann zu erreichen, wenn bereits der Input - der Rohstoff oder die gelieferten Materialien - unseren hohen qualitativen Anforderungen entspricht. Ebenso wichtig sind optimale Logistikprozesse, denn schließlich müssen unsere hochwertigen Produkte auch unversehrt und pünktlich bei unseren Kunden ankommen.

Unsere Beschaffungsstrategie ist darauf ausgelegt, die benötigten Materialien und Komponenten innerhalb einer partnerschaftlichen und auf Dauer angelegten ZUSAmmenarbeit mit unseren Lieferanten weltweit zu optimalen wirtschaftlichen Bedingungen und in höchster Qualität zu beziehen. In unserem Segment International ist deshalb bereits im Oktober 2007 die Initiative „Purchasing Excellence“ gestartet worden. Im Kern geht es hierbei darum, den dezentralisierten Einkauf in Europa wieder stärker zu zentralisieren, die Prozesse insgesamt zu straffen und zu standardisieren sowie durch ein international koordiniertes Warengruppenmanagement zusätzliche Einsparungen zu erzielen. Seit Januar 2009 wird die neue Matrixorganisation umgesetzt: So sind heute werksübergreifend zentral angesiedelte Spezialisten für die großen Warengruppen – etwa Energie, Verbrauchsmaterialien, Chemikalien und Kunststoff- Granulate, einem Vorprodukt der Dialysatoren – für den strategischen Einkauf zuständig. Zusätzlich steuert ein zentrales Einkaufscontrolling die Performance in der Beschaffung. Mit den erarbeiteten Verbesserungsansätzen wurden 2008 bereits Beschaffungskosten in Höhe von ca. 9 Millionen Euro eingespart. Dadurch ist es uns gelungen, die wegen des Nachfragebooms bei Rohmaterialien im vergangenen Jahr teilweise erheblichen Mehrpreisforderungen seitens unserer Lieferanten weitgehend zu kompensieren. Bei sehr großen Einzelposten in der Beschaffung – wie z. B. Polysulfon, dem Material, aus dem die Fasern in unseren Dialysatoren bestehen – haben wir im vergangenen Geschäftsjahr intensiv Maßnahmen zur Absicherung unserer Einkaufsvolumen vorbereitet. 60 % aller Waren beziehen wir heute auf der Grundlage von Rahmenverträgen.

Unter dem Stichwort Lieferantenmanagement werden im Segment International alle Zulieferer auf Basis strenger Qualitätskriterien und –standards regelmäßig kategorisiert und bewertet. Die so entstehenden Ratings sind für den Einkauf eine der wesentlichen Grundlagen für Lieferantenentwicklungsmaßnahmen und künftige Bezugsentscheidungen. Noch ist das Lieferantenmanagement nicht in allen Werken und Regionen harmonisiert; das wird aber eine unserer Aufgaben für das kommende Jahr sein.

Im Bereich Logistik war unser größtes Projekt im vergangenen Jahr die Vorbereitung der Inbetriebnahme unseres neuen Verteilzentrums in Biebesheim, Hessen. Es erfüllt alle modernen Logistikstandards, unter anderem werden dort alle Abläufe vollständig elektronisch anhand von Barcodes gesteuert. Im Dezember 2008 hat Fresenius Medical Care das Warenzentrum von einem Investor, der es nach unseren Spezifikationen gebaut hat, übernommen. In Biebesheim vereinen wir die bisherigen Hauptlager Gernsheim (die im Dezember begonnene Integration soll spätestens im zweiten Quartal vollständig abgeschlossen sein) und Darmstadt (Umzug im vierten Quartal 2009). Das neue Hochregallager bietet zunächst Platz für 55.000 Paletten, die Kapazität kann jedoch auf bis zu 75.000 Paletten erweitert werden – damit ist das für die kommenden Jahre prognostizierte Mengenwachstum vollständig abgedeckt. Mit dem neuen Verteilzentrum wollen wir in Europa ab 2010 jährliche Logistikkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro einsparen.

Eine zweite, funktionsübergreifende Initiative mit dem Namen „P.XL – Packaging Excellence“, die wir 2008 gestartet haben, arbeitet an der Verbesserung von Produktverpackungen und Verpackungseinheiten. Die neuen, standardisierten Verpackungen sollen eine problemlose und kostengünstige Handhabung entlang der gesamten Lieferkette gewährleisten und zugleich den Anforderungen unserer Kunden Rechnung tragen. Für uns haben standardisierte Kartongrößen vor allem den Vorteil, dass wir Lagerplätze besser planen und ausnutzen können, weil der sogenannte Stapelfaktor günstiger ist. Zugleich sinken die Frachtkosten, weil die Ladeflächen der Transportmittel effizienter genutzt werden können.

In unserem Projekt „Supply-Chain-Landschaft 2015“ geht es seit dem vergangenen Jahr darum, eine Strategie für die Region Europa / Mittlerer Osten /Afrika zu entwickeln, die bis ins Jahr 2015 trägt und auch die Wachstumserwartungen von Fresenius Medical Care berücksichtigt. Im Mittelpunkt steht dabei die Gestaltung einer – vor allem im Hinblick auf die Transportvolumina – flexiblen und kosteneffizienten Lieferkette für Einwegprodukte von unseren Werken, Verteilzentren und Lagern bis zum Endkunden. Unabhängig von den langfristigen Verbesserungen haben wir bereits Ansätze für kurzfristige Optimierungen und Kosteneinsparungen identifiziert.

In den USA haben wir 2008 im Bereich Beschaffung vor allem an Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen gearbeitet. Dennoch bleibt Qualität eine unserer Prioritäten, weshalb wir auch immer wieder Insourcing-Möglichkeiten prüfen.

Wir betreiben 14 Verteilzentren in den USA und beliefern von dort mehr als 6.000 Kliniken und rund 7.800 Heimdialyse-Patienten. 300 Lkw bewegten im vergangenen Jahr 86 % unseres Transportvolumens - das war so viel wie nie zuvor. Unsere eigene Flotte arbeitet nicht nur kostengünstiger, sondern bietet auch eine bessere Transportqualität als externe Dienstleister. Dass wir weiterhin einen Lkw-Fuhrpark betreiben, ist eines der Ergebnisse aus der Qualitätsinitiative Lean Six Sigma, die bereits seit fast vier Jahren läuft und mit der wir die Abläufe, unter anderem in der Logistik, analysieren und noch besser aufeinander abstimmen. Unsere Transportinfrastruktur bieten wir seit kurzem auch für externe Kunden an und lasten unsere Lkw so noch besser aus. Ladekapazität, zum Beispiel auf dem Rückweg von den Kunden zum Verteilzentrum, verkaufen wir nun erfolgreich an über 160 Frachtmakler.

In der Beschaffung wie in der Logistik kämpfen wir in Nordamerika aufgrund der Finanzkrise mit steigenden Preisen. Die Herausforderung für uns lautet, neue Zulieferer zu finden, um die Versorgungssicherheit für strategisch wichtige Produkte zu erhöhen. Eine weitere Herausforderung sind für uns steigende Kosten beim Transport von Flüssigkeiten wie Dialysekonzentraten und Peritonealdialyse-Lösungen, deren Gewicht höher ist als das etwa von Blutschläuchen oder Dialysatoren.

Ein Ansatz, den wir 2008 intensiv verfolgt haben, um steigenden Einkaufsspreisen entgegenzuwirken, ist, eine verstärkte Koordination unserer Beschaffungsaktivitäten für die Bedarfe in Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik. Dazu haben wir eine Vielzahl von Rohstoffen und Materialien regionenübergreifend standardisiert und nutzen zudem verstärkt Bezugsquellen in Regionen mit günstigen Wechselkursrelationen. Aber auch Materialeinsparungen und Insourcing sind probate Mittel in Zeiten steigender Preise, die wir nutzen.

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