02.2

Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage

FINANZLAGE

Unsere Investitions- und Finanzierungsstrategie hat sich im vergangenen Geschäftsjahr trotz der erheblichen Verunsicherung an den Finanzmärkten nicht geändert. Dies liegt in unserem Geschäftsmodell begründet, das angesichts stabiler und hoher Cash Flows eine beständigere und höhere Verschuldung erlaubt, als dies in anderen Industrien der Fall sein mag. Hinzu kommt, dass wir bereits frühzeitig vor Beginn der Finanzkrise unsere Finanzierungsstruktur durch die Emission einer Anleihe sowie das Ablösen der genusscheinähnlichen Wertpapiere, der Trust Preferred Securities optimiert hatten. Bis zum Jahr 2011 besteht deshalb kein wesentlicher Refinanzierungsbedarf. Wir sehen unsere Refinanzierungsmöglichkeiten weiterhin als sehr stabil und flexibel an und werden auch im laufenden Geschäftsjahr 2009 unsere Investitionen planmäßig fortsetzen.

GRUNDSÄTZE UND ZIELE DES FINANZMANAGEMENTS

Die Sicherung der finanziellen Flexibilität hat höchste Priorität in der Finanzierungsstrategie von Fresenius Medical Care. Dies wird gewährleistet durch die Verwendung einer breiten Palette von Finanzierungsinstrumenten und einer hohen Diversifikation bei Investoren und Banken. Das Fälligkeitsprofil des Konzerns ist charakterisiert durch eine breite Streuung der Fälligkeiten mit einem hohen Anteil von mittel- und langfristigen Finanzierungen.

Bei der Bestimmung von Finanzierungsinstrumenten werden Marktkapazität, Finanzierungskosten, Investorendiversifikation, Flexibilität, Kreditauflagen und Fälligkeiten berücksichtigt. Gleichzeitig sind wir bestrebt, unsere Finanzierungskosten zu optimieren.

Fresenius Medical Care deckt den Finanzierungsbedarf durch eine Kombination aus operativen Cash Flows und der Aufnahme kurz-, mittel- und langfristiger Finanzverbindlichkeiten. Neben den genutzten Finanzierungsinstrumenten hält Fresenius Medical Care genügend Finanzierungsspielraum im Wesentlichen in Form von syndizierten Kreditlinien vor, die bei Bedarf revolvierend in Anspruch genommen werden können.

Fresenius Medical Care orientiert sich in seiner langfristigen Finanzplanung am Debt-EBITDA-Verhältnis (Verschuldungsgrad). Dabei werden die Finanzverbindlichkeiten (Debt) unseres Unternehmens zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und anderen nicht zahlungswirksamen Aufwendungen ins Verhältnis gesetzt. Fresenius Medical Care verfügt über eine starke Marktposition in globalen, wachsenden und nichtzyklischen Märkten der Dialysebranche. Die Dialyseindustrie ist durch relativ stabile Cash Flows gekennzeichnet, da die meisten Kunden der Gesellschaft über eine hohe Kreditqualität verfügen. Dadurch werden hohe, stabile, planbare und nachhaltige Cash Flows erwirtschaftet. Diese erlauben einen angemessenen Fremdkapitalanteil, das heißt den Einsatz eines ausgewogenen Mix aus Finanzverbindlichkeiten. Zum Ende des Geschäftsjahres 2008 lag das Debt-EBITDA-Verhältnis bei 2,69 im Vergleich zu 2,84 im Vorjahr. Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt „Strategie, Ziele und Unternehmenssteuerung“.

Mit den nur teilweise genutzten Kreditlinien sowie dem Forderungsverkaufsprogramm verfügt Fresenius Medical Care über ausreichende finanzielle Ressourcen, die wir in den kommenden Jahren beibehalten werden. Hierbei wird ein Ziel von zugesicherten und nicht genutzten Kreditfazilitäten von mindestens 500 Mio. US-Dollar verfolgt.

Die Finanzierungsaktivitäten werden in den nächsten Jahren auch darauf ausgerichtet sein, nachrangige Finanzierungsinstrumente zu reduzieren. So wurden die im Februar 2008 fällig gewordenen nachrangigen genussscheinähnlichen Wertpapiere der Fresenius Medical Care Capital Trust II und III nicht durch die Ausgabe neuer nachrangiger Wertpapiere refinanziert, sondern durch die Nutzung bestehender erstrangiger Kreditfazilitäten. Mittelfristig verfolgt die Gesellschaft das Ziel, dass ihr Finanzierungsportfolio ausschließlich aus erstrangigen unbesicherten Finanzverbindlichkeiten besteht.

Umfangreiche zusätzliche Angaben zur Finanzierung finden Sie im Finanzbericht im Abschnitt „Liquidität und Mittelherkunft“, in den Anmerkungen 8 und 9 des Finanzberichts sowie im Prognosebericht.

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Tabelle 02.2.10 MITTEL- UND LANGFRISTIGE FINANZIERUNGSINSTRUMENTE
  Jahr der Ausgabe Betrag in Mio. Kupon in % Fälligkeit
         
Kreditvereinbarung Term Loan A
2006
1.850$1
31.03.2011
Kreditvereinbarung Term Loan B
2006
1.750$1
31.03.2013
Anleihe 2007–2017
2007
500$
6 7/8 %
15.07.2017
Trust Preferred Securities IV
2001
225$
7 7/8 %
15.06.2011
Trust Preferred Securities V
2001
300€
7 3/8 %
15.06.2011
Schuldscheindarlehen
2005
200€
27.07.2009
 
1 zu Beginn vor Tilgungen

RATING

Im zweiten Quartal 2008 hat die Ratingagentur Moody’s sowohl das Unternehmensrating als auch das Rating der Finanzverbindlichkeiten von Fresenius Medical Care angehoben. Für alle Ratings hat Moody’s einen stabilen Ausblick vergeben.

Zu Beginn des dritten Quartals änderte Standard & Poor’s den Ausblick für Fresenius Medical Care, im Zusammenhang mit der Übernahme des Unternehmens APP Pharmaceuticals durch die Fresenius SE von positiv auf negativ. Alle anderen Ratings wurden bestätigt.

Tabelle 02.2.11 RATING
  Standard & Poor’s Moody’s Fitch
       
Unternehmensrating
BB
Ba1
BB
Ausblick
negativ
stabil
negativ
Vorrangige besicherte Finanzverbindlichkeiten
BBB–
Baa3
BBB–
Vorrangige unbesicherte Finanzverbindlichkeiten
BB+
Ba2
Nicht bewertet
Nachrangige Finanzverbindlichkeiten
BB
Ba3
B+
       

BEDEUTUNG AUSSERBILANZIELLER FINANZIERUNGSINSTRUMENTE FÜR DIE FINANZ- UND VERMÖGENSLAGE

Fresenius Medical Care ist nicht an außerbilanziellen Geschäften beteiligt, die sich gegenwärtig oder zukünftig aller Wahrscheinlichkeit nach wesentlich auf die Finanzlage, die Aufwendungen oder Erträge, die Ertragslage, die Liquidität, die Investitionsausgaben, das Vermögen oder die Kapitalausstattung auswirken werden.

LIQUIDITÄTSANALYSE

Umfangreiche Angaben zur Liquidität finden Sie im Finanzbericht im Abschnitt „Liquidität und Mittelherkunft“.

DIVIDENDE

Fresenius Medical Care schlägt der Hauptversammlung die zwölfte Dividendenerhöhung in Folge vor: Die Dividende je Stammaktie für das Geschäftsjahr 2008 soll um 7 % von 0,54 Euro auf 0,58 Euro steigen, die Dividende je Vorzugsaktie von 0,56 Euro auf 0,60 Euro; dies würde ebenfalls einem Plus von 7 % entsprechen. Die gesamte erwartete Ausschüttungssumme dürfte sich auf rund 173 Millionen Euro belaufen (2007: 160 Millionen Euro). Weitere Informationen zur Dividende finden Sie im Abschnitt „An unsere Aktionäre“.

INVESTITIONEN UND AKQUISITIONEN

Wichtige Bereiche für Investitionen betreffen die Instandhaltung von existierenden Kliniken sowie die Ausstattung von neuen Kliniken. Zusätzlich wurde in die Instandhaltung und Erweiterung von Produktionsstätten in Nordamerika, Deutschland, Japan und Frankreich investiert. Darüber hinaus trug die Aktivierung von Dialysemaschinen, die hauptsächlich an Kunden des Segments International ausgeliefert wurden, zum Investitionsaufwand bei. Diese Investitionen werden durch den operativen Cash Flow oder über existierende bzw. neue Kredite finanziert.

Im Jahr 2008 wendete Fresenius Medical Care 1.011 Millionen US-Dollar für Investitionen, Akquisitionen und den Erwerb von immateriellen Vermögensgegenständen auf. Davon waren 964 Millionen US-Dollar 2008 zahlungswirksam. Auf das Segment Nordamerika entfielen hiervon 498 Millionen US-Dollar, auf das Segment International 359 Millionen US-Dollar und auf den Zentralbereich 107 Millionen US-Dollar. Dieser Betrag beinhaltet ein an die Fresenius SE gewährtes Darlehen in Höhe von 50 Millionen US-Dollar.

Insgesamt wurden für Netto-Investitionen in Sachanlagen 673 Millionen US-Dollar aufgewendet, nach 543 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Ein großer Teil der Investitionsausgaben – 398 Millionen US-Dollar – wurde für die Instandhaltung bestehender Kliniken und die Ausrüstung neuer Kliniken verwendet. Zudem wurden 195 Millionen US-Dollar in die Instandhaltung und den Ausbau der Produktionskapazitäten, vorwiegend in Deutschland und Nordamerika sowie in Japan und Frankreich, investiert. 94 Millionen US-Dollar entfielen bei unseren Vertriebsgesellschaften auf die Aktivierung von Geräten, die – vorwiegend im Segment International – Kunden zur Verfügung gestellt wurden. Die Investitionen in Sachanlagen machten etwa 6 % des Gesamtumsatzes aus und blieben somit im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Circa 54 % der Netto-Investitionen wurden für Erweiterungsmaßnahmen ausgegeben, 46 % dienten der Instandhaltung bestehender Produktionsstätten und Dialysekliniken.

In Nordamerika investierten wir rund 57 %, gefolgt von Europa mit 34 %, Asien-Pazifik mit 5 % und Lateinamerika mit 4 %.

Für Akquisitionen, die vornehmlich Dialysekliniken betrafen, sowie für Lizenzen haben wir 2008 etwa 225 Millionen US-Dollar aufgewendet. Davon entfielen 113 Millionen US-Dollar auf das Segment Nordamerika, 57 Millionen US-Dollar auf das Segment International und 57 Millionen US-Dollar auf die Zentralbereiche. Weitere 50 Millionen US-Dollar haben wir für ein Darlehen an die Fresenius SE aufgewendet. Die Gesellschaft verzeichnete Einzahlungen von 59 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit Veräußerungen.

Insgesamt haben wir im Jahr 2008 891 Millionen US-Dollar für Investitionstätigkeiten und Akquisitionen unter Berücksichtigung von Desinvestitionen aufgewendet, was im Vergleich zum Vorjahr eine Erhöhung um mehr als 114 Millionen bedeutet.

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Tabelle 02.2.12 NETTO-INVESTITIONEN UND AKQUISITIONEN NACH SEGMENTEN
in Mio. US-$ 2008 2007 davon Sach- anlagen davon Akquisitionen/ immaterielle Vermögens- gegenstände und sonstige Investitionen davon Desinves- titionen Veränderung Anteil am Gesamt- volumen
               
Nordamerika
444
347
384
113
53
97
50 %
International
340
310
289
57
6
30
38 %
Zentralbereiche
107
120
107
–13
12 %
GESAMT
891
777
673
277
59
114
100 %
               
Grafik 02.2.4 Netto-Investitionen in Sachanlagen nach Regionen
Netto-Investitionen in Sachanlagen nach Regionen

CASH-FLOW-ANALYSE

Der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit, auch als operativer Cash Flow bezeichnet, lag im Jahr 2008 bei 1,02 Milliarden US-Dollar, nach 1,20 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2007. Das entspricht einer Verringerung von etwa 15 % gegenüber dem Vorjahr, hauptsächlich als Folge einer Erhöhung der Forderungslaufzeiten und anderer Posten des Nettoumlaufvermögens, teilweise kompensiert durch gestiegene Ergebnisse. Die Mittelzuflüsse wurden für Investitionsmaßnahmen (Sachanlagen und Akquisitionen) verwendet.

Eine detaillierte Beschreibung weiterer Faktoren finden Sie im Finanzbericht im Abschnitt „Liquidität und Mittelherkunft“.

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Tabelle 02.2.13 GEKÜRZTE KAPITALFLUSSRECHNUNG
in Mio. US-$ 2008 2007 Veränderung
       
Flüssige Mittel am Jahresanfang
245
159
54 %
Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit
1.016
1.200
– 15 %
Mittelzufluss aus Investitionstätigkeiten
(891)
(777)
Mittel (-abfluss) -zufluss aus Finanzierungstätigkeiten
(156)
(341)
Wechselkursbedingte Veränderungen
8
4
100 %
Flüssige Mittel am Jahresende
222
245
– 9 %
Free Cash Flow
343
651
– 48 %
 
Eine ausführliche Darstellung finden Sie im Konzernabschluss im Finanzbericht ab Seite 46.

Im Geschäftsjahr 2008 verzeichneten wir weltweit leichte Verzögerungen im Zahlungsverhalten unserer Kunden.

Die Forderungslaufzeiten (Anzahl der Tage bis zum Begleichen ausstehender Rechnungen) in Nordamerika stiegen um zwei Tage auf 60 Tage Ende 2008; außerhalb Nordamerikas erhöhten sie sich um drei Tage auf 107 Tage. Insgesamt lagen die Forderungslaufzeiten mit 77 Tagen um vier Tagen über dem Vorjahresniveau. Der Anstieg im Segment Nordamerika ist hauptsächlich auf die Einführung des einlizensierten Eisenpräparates Venofer als auch durch Verzögerungen bei der Vergütung im Dialysedienstleistungsgeschäft, ausgelöst durch die Einführung einer neuen Identifikationsnummer für Anbieter von Dienstleistungen im Gesundheitswesen durch Medicare und Medicaid zurückzuführen. Die Erhöhung im Segment International spiegelt im Wesentlichen Zahlungsverzögerungen bei staatlichen Stellen wider, die von den aktuellen weltweiten Finanzkrisen betroffen sind. Da wir einen Großteil unserer Erstattungen von staatlichen Gesundheitsorganisationen und privaten Versicherungsgesellschaften erhalten, gehen wir davon aus, dass die meisten unserer Forderungen einbringlich sind, wenn auch in unmittelbarer Zukunft etwas langsamer. Weitere Informationen erhalten Sie im folgenden Abschnitt „Vermögenslage“.

Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr einen Free Cash Flow vor Akquisitionen und Dividenden in Höhe von 343 Millionen US-Dollar erzielt, nach 657 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2007. Nach den Zahlungen für Akquisitionen (abzüglich von Veräußerungen) und Dividenden in Höhe von 218 Millionen US-Dollar und 252 Millionen US-Dollar errechnet sich ein Free Cash Flow von -127 Millionen US-Dollar, nach 235 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Weitere Informationen erhalten Sie im Abschnitt „Investitionen und Akquisitionen“.

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Tabelle 02.2.14 FORDERUNGSLAUFZEITEN
in Tagen 2008 2007 Veränderung
       
Nordamerika
60
58
2
International
107
104
3
GESAMT
77
73
4
       
Grafik 02.2.5 Operativer Cash Flow
Operativer Cash Flow

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