02.1

Geschäftstätigkeit und Rahmenbedingungen

Wirtschaftliches Umfeld

Das konjunkturelle Umfeld hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr spürbar verschlechtert. Steigende Preise für Rohstoffe und Energie sowie insgesamt zunehmende Inflationsraten hatten einen leicht negativen Einfluss auf unsere Ertragslage. In der zweiten Jahreshälfte wirkte die starke Abwertung vieler Währungen gegenüber dem US-Dollar innerhalb eines kurzen Zeitraums belastend. Wir konnten dies durch Effizienzverbesserungen und eine gute operative Entwicklung größtenteils kompensieren. Konjunkturelle Schwankungen wirken sich auf die Entwicklung des Dialysemarktes – verglichen mit anderen Branchen – üblicherweise eher moderat aus.

GESAMTWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG

Die deutsche Wirtschaft startete schwungvoll in das Jahr 2008. Im weiteren Jahresverlauf machten sich neben der Finanzkrise auch gestiegene Rohstoffpreise sowie die Aufwertung des Euro-Wechselkurses im Vergleich zu anderen Währungen dämpfend bemerkbar. Die Weltkonjunktur befindet sich seit Mitte 2008 in einem Abschwung. Die wesentlichen Gründe für die Abwärtstendenz sind im Einbruch des US-Immobilienmarktes, der weltweiten Krise im Bankensektor und an den Finanzmärkten sowie der höheren Inflation infolge des Preisanstiegs bei verschiedenen Rohstoffen zu sehen. Durch die positive Entwicklung im ersten Halbjahr erwarteten führende Wirtschaftsforschungsinstitute für das Jahr 2008 insgesamt noch einen Zuwachs des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 3 % nach einem Zuwachs von 5 % im Jahr 2007.

Tabelle 02.1.4 QUARTALSWEISE ENTWICKLUNG DES US-DOLLAR-WECHSELKURSES GEGENÜBER DEM EURO
in US-$ / € 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal Durchschnitt
           
2008
1,4981
1,5623
1,5036
1,3185
1,4705
2007
1,3098
1,3484
1,3753
1,4486
1,3708
 
Quelle: REUTERS, Durchschnittskurse

In vielen Industrieländern befindet sich die Wirtschaft in einer Rezession. In den USA und in Westeuropa deuten viele Indikatoren auf eine sehr schwache konjunkturelle Grundtendenz hin, und auch in Japan hat sich die konjunkturelle Lage in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Einzig in den Schwellenländern wurde die Produktion in den vergangenen Monaten noch recht kräftig gesteigert, aber selbst hier hat das Expansionstempo deutlich nachgelassen.

Einer der wesentlichen Gründe für die schwache weltwirtschaftliche Lage ist die anhaltende Krise des Finanzsektors, ausgelöst durch die Bonitätsprobleme am US-Hypothekenmarkt. Die meisten Finanzinstitute mussten im Laufe des Jahres 2008 erhebliche Wertkorrekturen vornehmen. Im Zuge dessen haben sich auch die Geschäftsbeziehungen unter den Banken stark verschlechtert: Sie stellten sich gegenseitig weniger liquide Mittel zur Verfügung. Ausgehend von der eigenen angespannten Liquiditätssituation reagierten viele Banken unter anderem auch mit einer sehr viel restriktiveren Vergabe von Krediten an Unternehmen. Die Vielschichtigkeit und Komplexität der Probleme hat im Laufe des Jahres deutlich zugenommen, auch mit Blick auf die Realwirtschaft. Als Konsequenz daraus haben Regierungen und Zentralbanken in konzertierten Aktionen umfangreiche Programme zur Stabilisierung des Finanzsektors eingeleitet. Zu diesen zählten liquiditäts- und vertrauensfördernde Maßnahmen wie direkte Eigenkapitalzufuhr, Kapitalgarantien für die Ausgabe neuer Anleihen, Kaufprogramme für notleidende Aktiva sowie Zinssenkungen der Zentralbanken auf breiter Basis.

Wie in den Vorjahren entwickelte sich die Konjunktur im Jahr 2008 weltweit sehr heterogen. Die Spanne beim Wirtschaftswachstum war allerdings wesentlich größer als noch 2007. Bei den Industrieländern bewegten sich die USA und Deutschland im Gleichklang, während sich das Wachstum in Großbritannien und Japan stärker abschwächte. Bei den Schwellenländern stach unverändert das starke Wachstum von China hervor.

WECHSELKURSENTWICKLUNG

Die Entwicklung an den Devisenmärkten war analog zur Entwicklung an den Finanzmärkten insgesamt von hohen Volatilitäten, das heißt ausgeprägten und schnell wechselnden Bewegungen, gekennzeichnet. Die weltwirtschaftliche Entwicklung wurde im Jahresablauf in unterschiedlichem Maße von der Wechselkursentwicklung geprägt. In der ersten Jahreshälfte waren die wichtigen Währungsparitäten verhältnismäßig stabil. Die starke Aufwertung einer Reihe wichtiger Wechselkurse gegenüber dem US-Dollar begünstigte in den ersten Monaten 2008 die Exporte aus dem US-Raum. Ab September änderte sich dies jedoch unerwartet schnell, und der US-Dollar wertete innerhalb kurzer Zeit gegenüber vielen Währungen sehr stark auf. Dies spiegelte in dieser Zeit vor allem die Neubewertung der Wirtschaftslage in den einzelnen Regionen wider. Zum Stichtag 31. Dezember 2008 lag der US-Dollar / Euro-Wechselkurs um 4,9 % unter seinem vergleichbaren Vorjahreswert, während eine Durchschnittsbetrachtung demgegenüber ein Plus von 7,3 % für das Jahr 2008 zeigt.

Grafik 02.1.3 US-Dollar gegenüber Euro, Yen und Pfund indexiert; Entwicklung 1.1. - 31.12.2008
US-Dollar gegenüber Euro, Yen und Pfund indexiert; Entwicklung 1.1. - 31.12.2008

Für Fresenius Medical Care sind insbesondere die beiden Währungen US-Dollar und Euro sowie deren Relation von Bedeutung, weil wir einen Großteil unseres Umsatzes in den USA und in der Euro-Zone erwirtschaften. Eine Aufwertung des Euro ist bilanziell betrachtet von Vorteil, da wir in US-Dollar berichten und sich rechnerisch somit ein höherer Wert der in Euro erzielten Bilanzwerte ergibt.

Mit der in weiten Teilen dezentralen Struktur unserer Fertigungsstätten tragen wir dem Nachfragegefüge in unserem Dialyseproduktgeschäft Rechnung. Durch unsere Produktionsstätten in den USA, Japan und Europa bleiben wir von langfristigen Währungsschwankungen weitgehend unabhängig; Transaktionsrisiken werden somit minimiert, da die Kosten in der gleichen Währung anfallen, in der auch der Umsatz generiert wird. Deutlich volatilere Wechselkurse führen aber auch bei Fresenius Medical Care kurzfristig zu einer höheren Sensitivität gegenüber diesen Wechselkursen. Im Bereich Dialysedienstleistungen, der im Vergleich zum Dialyseproduktgeschäft größere Geschäftsbereich, ist das Transaktionsrisiko minimal, da das Geschäft lokal und damit im jeweiligen Währungsraum erbracht wird.

USA

In den USA schwächte sich das Wachstum 2008 gegenüber dem Vorjahr leicht ab. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 1,3 %, getrieben von den öffentlichen Investitionen und insbesondere der anhaltend starken Exporttätigkeit. Gegenläufig wirkten neben einem deutlichen Lagerabbau erneut die Wohnungsbauinvestitionen. Die Preisentwicklung wurde sehr stark von den Bewegungen der Rohstoffpreise und hier speziell des Ölpreises beeinflusst. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich die Inflationsrate von 2,9 % auf 3,9 %. Die US-Notenbank fed hat in mehreren Schritten über das Jahr 2008 den Basisleitzins, die Federal Funds Rate, um insgesamt rund 400 Basispunkte auf einen nahezu historischen Tiefstwert und einen neuen Zielkorridor von 0 % bis 0,25 % gesenkt.

EUROPA

Das reale Bruttoinlandsprodukt ging in der Euro-Zone in der zweiten Jahreshälfte 2008 deutlich zurück, nachdem in den ersten sechs Monaten noch ein moderater Zuwachs verzeichnet werden konnte. Insgesamt verblieb ein leichtes Plus von 0,9 % im Vergleich zum Anstieg von 2,6 % im Vorjahr. Die Inflationsrate bewegte sich, bedingt durch die höheren Rohstoffkosten bei gleichzeitiger Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro, auf einem historisch betrachtet hohen Niveau. Den pessimistischeren Konjunkturprognosen in Verbindung mit der Finanzkrise begegnete die Europäische Zentralbank (EZB) mit zahlreichen liquiditätserhöhenden Maßnahmen. Innerhalb kurzer Zeit senkte die EZB die wesentlichen Leitzinsen in den letzten vier Monaten des Jahres um fast 200 Basispunkte, nachdem die Inflationsrisiken durch wieder sinkende Preise für Energie und sonstige Rohstoffe sowie durch die negativen Konjunkturaussichten abgenommen hatten.

Grafik 02.1.4 Entwicklung der Leitzinsen wichtiger Zentralbanken; 1.1. – 31.12.2008
Entwicklung der Leitzinsen wichtiger Zentralbanken; 1.1. – 31.12.2008

Nach einem schwungvollen Jahresbeginn büßte die deutsche Wirtschaft im Verlauf der folgenden Monate ihre Dynamik ein; verantwortlich dafür waren neben der Finanzkrise die gestiegenen Rohstoffpreise und die Aufwertung des Euro. Die Exportnachfrage, zuvor eine der Wachstumsstützen, ging nicht nur infolge der ungünstigeren Wechselkurskonstellationen, sondern auch wegen der allgemeinen Abschwächung der Weltwirtschaft deutlich zurück. Trotz der erkennbaren Investitionszurückhaltung stieg die Zahl der Erwerbstätigen 2008 leicht, und die Arbeitslosenzahl ging von 3,4 Millionen im Vorjahr auf 3,3 Millionen in 2008 zurück.

In Großbritannien schwächte sich das Wirtschaftswachstum bedingt durch die starke Abhängigkeit vom Finanzsektor deutlich ab. Das BIP legte um 0,8 % zu, nach 3 % im Vorjahr. Die neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsländer zeigten insgesamt eine weiterhin positive konjunkturelle Entwicklung mit einem Wachstum von durchschnittlich 4,5 %, allerdings mit starken Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern. Russland wuchs weiterhin sehr dynamisch. Getragen von einer starken Binnennachfrage sowie hohen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft wuchs das BIP dort um 6,8 %, allerdings bei gleichzeitig stark ansteigender Inflation.

ASIEN

In Japan setzte sich die konjunkturelle Abschwächung fort: Durch die fehlenden Impulse aus dem Ausland schwächte sich die Inlandsnachfrage weiter ab. Belastend wirkten auch die gestiegenen Preise für Energie und Nahrungsmittel. Das BIP stieg 2008 um 0,1 %, nach einem Anstieg von 2 % im Vorjahr.

Die asiatischen Schwellenländer zeigten ein vergleichsweise robustes Wachstum, wenngleich auch hier die Dynamik deutlich nachließ. In China hatte sich der Anstieg des BIP bereits seit Mitte des Jahres 2007 moderat, aber stetig abgeschwächt. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum spiegelt die etwas geringere Nachfrage auf den Hauptabsatzmärkten und die kontinuierliche Aufwertung der chinesischen Währung gegenüber anderen Währungen wider. Gestützt wird das Wachstum durch den privaten Konsum und die steigenden Infrastrukturinvestitionen. Das BIP erhöhte sich in China 2008 um 9,6 %, nach 11,9 % im Vorjahr. Zulegen konnten auch die übrigen Staaten Ostasiens: Dort wuchs die Wirtschaft 2008 um 4,4 %, nach 5,8 % im Jahr 2007.

LATEINAMERIKA

Lateinamerika verzeichnete eine robuste wirtschaftliche Entwicklung. Mit einem Anstieg des BIP um 4,4 % wurde annähernd die Wachstumsrate des Vorjahres erreicht.

Tabelle 02.1.5 Reales Bruttoinlandsprodukt
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in % 2008 2007
     
USA
1,3
2,0
Deutschland
1,3
2,5
Euro-Raum
0,9
2,6
Großbritannien
0,8
3,0
Neue EU-Mitgliedsländer
4,5
6,2
EU 27
1,2
2,9
Russland
6,8
8,1
Japan
0,1
2,0
China und Hongkong
9,6
11,9
Ostasien
4,4
5,8
Lateinamerika
4,4
5,6
WELTWEIT
3,6
5,0
 
Quelle: Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel „Weltkonjunktur im Winter 2008; 19. Dezember 2008, Monatsberichte der Deutschen Bundesbank und Europäischen Zentralbank, Statistisches Bundesamt

Die konjunkturelle Dynamik war in den einzelnen Ländern allerdings sehr uneinheitlich. Die meisten Länder der Region profitierten als Rohstoffproduzenten und Energielieferanten unverändert von den hohen Rohstoffpreisen. Die wirtschaftlichen Aussichten erscheinen in vielen Ländern stabil, nur in Mexiko sind sie infolge der stärkeren Abhängigkeit des Landes von der Entwicklung der US-amerikanischen Wirtschaft leicht eingetrübt.

Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt
„Vergleich des tatsächlichen mit dem prognostizierten Geschäftsverlauf“ und im Prognosebericht.

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